Schlaf als unterschätzter Erfolgsfaktor: Dagsmejan-Gründer im Interview

Zum zehnjährigen Bestehen sprechen Catarina Dahlin und Andreas Lenzhofer über Thermoregulation, Recovery und warum guter Schlaf längst keine Privatsache mehr ist.

Acht Stunden Schlaf und trotzdem erschöpft aufwachen, dieses Phänomen kennen viele Berufstätige. Das Schweizer Unternehmen Dagsmejan widmet sich seit zehn Jahren genau diesem Problem und hat dabei einen Faktor in den Mittelpunkt gerückt, der lange übersehen wurde: die Temperaturregulation während der Nacht. Im Interview erklären die Gründerin Catarina Dahlin und Mitgründer Andreas Lenzhofer, wie aus dieser Erkenntnis ein international erfolgreiches Unternehmen wurde.

Vom Startup zur globalen Marke

Dagsmejan feiert 2026 sein zehnjähriges Bestehen. Den entscheidenden Wendepunkt sieht Catarina Dahlin in einer einfachen Beobachtung: „Schlafbekleidung wurde bisher kaum wissenschaftlich betrachtet, obwohl Temperaturregulation zu den wichtigsten Faktoren für erholsamen Schlaf gehört.“ Von Anfang an sei es nicht darum gegangen, einfach bessere Pyjamas zu entwickeln, sondern Schlafqualität messbar zu verbessern.

Die Zusammenarbeit mit Schweizer Forschungsinstitutionen wie der EMPA und der Hochschule Luzern habe es ermöglicht, Schlafbekleidung auf wissenschaftlicher Basis neu zu denken. Heute sind die Produkte in über 100 Ländern erhältlich und werden laut Dahlin von Spitzenathleten, Führungskräften und Gesundheitsexperten genutzt.

Warum Schlafdauer allein nicht ausreicht

Einer der häufigsten Gründe für unruhigen Schlaf liege in Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen während der Nacht, erklärt Andreas Lenzhofer. „Der menschliche Körper muss seine Kerntemperatur für einen tiefen und erholsamen Schlaf aktiv regulieren.“ Staue Bekleidung Wärme und Feuchtigkeit, könnten unbemerkte Mikro-Erwachungen entstehen, die die Schlafqualität beeinträchtigen.

Leistungsfähige Schlafbekleidung setze genau hier an, indem sie die natürliche Thermoregulation unterstützt. Schlafhygiene ersetze sie damit nicht, sei aber ein oft unterschätzter Faktor im Gesamtsystem, vergleichbar mit einer guten Matratze oder der richtigen Raumtemperatur.

Wissenschaft statt Marketingversprechen

Die NATTCOOL™-Technologie des Unternehmens ist laut eigenen Angaben achtmal atmungsaktiver als Baumwolle. Die Entwicklung beginne nicht mit Modetrends, sondern mit einer wissenschaftlichen Fragestellung, so Dahlin: „Welche physiologischen Herausforderungen treten während des Schlafs auf und wie können Textilien dabei helfen, diese Herausforderungen zu adressieren?“

Gemeinsam mit Forschern der EMPA und der Hochschule Luzern werden Faktoren wie Wärmeabgabe, Feuchtigkeitstransport und Hautklima analysiert, bevor Materialkonstruktionen entwickelt und über mehrere Zyklen optimiert werden. „Für uns ist Wissenschaft kein Marketinginstrument, sondern integraler Bestandteil der Produktentwicklung“, betont Dahlin.

Schlaf als strategischer Faktor für Führungskräfte

Besonders für Menschen mit hoher beruflicher Belastung sei die Schlafqualität entscheidend, sagt Dahlin. „Führungskräfte treffen täglich komplexe Entscheidungen, müssen unter Unsicherheit agieren und stehen oft unter hoher mentaler Belastung.“ Die Qualität des Schlafs beeinflusse unmittelbar Konzentration, Entscheidungsfähigkeit und Stressresistenz.

Viele Top-Performer würden bereits gezielt in Ernährung, Fitness und mentale Gesundheit investieren. Schlaf werde dabei zunehmend als der größte Hebel erkannt: „Wer dauerhaft schlecht schläft, kann Defizite in anderen Bereichen kaum kompensieren.“

Individuelle Bedürfnisse statt Einheitslösung

Menschen, die nachts frieren, und solche, die stark schwitzen, hätten gegensätzliche Bedürfnisse, erklärt Lenzhofer. Für Menschen, die zu warm schlafen, wurde die NATTCOOL™-Kollektion entwickelt, für Menschen mit Kälteempfinden die Technologie NATTWARM™. „Unser Ziel ist nicht, Menschen wärmer oder kühler zu machen, sondern sie dabei zu unterstützen, ihre individuelle Komforttemperatur über die gesamte Nacht möglichst konstant zu halten.“

Globale Nachfrage, kulturelle Unterschiede

Mit Kunden in über 100 Ländern beobachtet das Unternehmen unterschiedliche Zugänge zum Thema Schlaf. „In vielen asiatischen Märkten wird Schlaf schon seit Langem als wichtiger Bestandteil eines gesunden Lebensstils betrachtet. In Nordamerika beobachten wir ein starkes Interesse an Performance, Recovery und Optimierung“, so Lenzhofer. Die physiologischen Bedürfnisse seien weltweit jedoch sehr ähnlich.

Ausblick: Schlaf als Teil eines Gesundheitskonzepts

Für die kommenden Jahre bleibt der Fokus klar, so Dahlin: die wissenschaftliche Erforschung des Schlafs mit innovativen Textillösungen zu verbinden. Das Unternehmen will weiter in Forschungspartnerschaften und neue Materialtechnologien investieren und Schlaf zunehmend als Teil eines ganzheitlichen Gesundheits- und Regenerationskonzepts begreifen.

Foto: Dagsmejan