Rückengesundheit im Betrieb: Wie Wellenpuls BGM alltagstauglich macht

Rückenschmerzen zählen zu den häufigsten Ursachen für langfristige Arbeitsausfälle, doch viele Unternehmen tun sich schwer, das Thema systematisch anzugehen. Christian Senfleben, Biomechaniker und Gründer der Wellenpuls GmbH, hat aus eigener Betroffenheit heraus ein Gerät zur neuromuskulären Elektrostimulation entwickelt und daraus das betriebliche Gesundheitsprogramm Wellenpuls Rückenfrei aufgebaut. Im Interview erklärt er, warum klassische Rückenschulen an ihre Grenzen stoßen, was das erste Pilotprojekt mit einem mittelständischen Unternehmen gezeigt hat und wie Führungskräfte das Thema Rückengesundheit wirtschaftlich sinnvoll angehen.

Der persönliche Weg zu Wellenpuls

Christian Senfleben hatte bereits als Jugendlicher mit Rückenschmerzen zu kämpfen, und auch in seiner Familie spielten Bandscheibenprobleme über Generationen hinweg eine große Rolle. Diese persönliche Erfahrung brachte ihn dazu, während seines Sportwissenschaftsstudiums an der Deutschen Sporthochschule Köln und der anschließenden Spezialisierung auf Biomechanik im Master gezielt nach den Ursachen unspezifischer Rückenschmerzen zu suchen. Dabei stieß er auf das biopsychosoziale Modell, wonach Rückenschmerzen sowohl biologische als auch psychologische und soziale Ursachen haben können.

Im Rahmen seiner Masterarbeit befasste er sich mit neuromuskulärer Elektrostimulation zur gezielten Aktivierung tiefliegender Rumpfmuskulatur und entwickelte, da er kein passendes Produkt am Markt fand, selbst einen Prototyp. Eine randomisierte Studie zeigte vielversprechende Ergebnisse im Vergleich zu klassischem Rückentraining. Als Studienteilnehmende anschließend nach einer Kaufmöglichkeit fragten, entschied er sich, aus der Forschung ein Unternehmen zu machen. Der Weg ins betriebliche Gesundheitsmanagement ergab sich später aus dem Austausch mit einem selbst betroffenen Geschäftsführer, aus dem gemeinsam das Programm Wellenpuls Rückenfrei entstand.

Warum Prävention oft scheitert

Aus Sicht von Christian Senfleben tun sich Unternehmen aus drei Gründen schwer, Rückengesundheit wirklich anzugehen. Zum einen wird Prävention in Deutschland häufig noch nicht ausreichend priorisiert, da Unternehmen eher reagieren, wenn Probleme bereits akut sind, anstatt frühzeitig in vorbeugende Strukturen zu investieren. Zum anderen verlangen viele bestehende Angebote den Mitarbeitenden zu viel Eigeninitiative ab, obwohl die meisten Menschen zwar wissen, dass Bewegung guttut, dies aber nicht dauerhaft in ihren Alltag integrieren.

Der dritte Punkt betrifft die fehlende Langfristigkeit vieler Programme. Klassische Maßnahmen laufen oft nur acht bis zwölf Wochen, danach endet die Betreuung und die Teilnehmenden sollen eigenständig weitermachen. Genau an dieser Stelle scheitern viele Ansätze, weil kurzfristige Verbesserungen selten in dauerhaftes Verhalten übergehen.

Mehr als nur Rückenschule

Klassische Rückenschulen sind laut Senfleben nicht grundsätzlich falsch, scheitern aber häufig an der langfristigen Umsetzung, da sich nach acht Wochen noch keine stabilen Routinen gebildet haben. Wellenpuls Rückenfrei setzt deshalb auf eine deutlich niedrigere Einstiegshürde. Der Wellenpuls LWS lässt sich parallel zu alltäglichen Tätigkeiten nutzen, etwa am Laptop, im Haushalt oder auf der Couch, sodass Mitarbeitende im Betrieb dafür nicht extra freigestellt werden müssen.

Gleichzeitig wird Rückengesundheit nicht rein körperlich betrachtet. Die Anwendung des Geräts wird mit digitalen Impulsen, Videoinhalten, Aufklärung, Motivation, Betreuung und gamifizierten Elementen kombiniert. Der Unterschied zu klassischen Angeboten liegt damit nicht allein im Produkt, sondern im gesamten Programm mit niedrigschwelligem Zugang und langfristiger Begleitung.

Erkenntnisse aus dem Pilotprojekt

Das erste Pilotprojekt von Wellenpuls Rückenfrei bei einem mittelständischen Unternehmen wurde nicht am Schreibtisch fertig geplant, sondern gemeinsam mit Geschäftsführung, HR und Krankenkasse entwickelt. Dabei standen praktische Fragen im Mittelpunkt, etwa welche Zielgruppe im Unternehmen besonders betroffen ist, wie sich das Angebot organisatorisch umsetzen lässt, welche Rolle die Krankenkasse spielen kann und welche Kennzahlen den Erfolg sinnvoll messen.

Für Unternehmer und Führungskräfte lautet die zentrale Erkenntnis, dass ein BGM-Angebot nicht kompliziert starten muss. Wichtig ist, zunächst den Bedarf zu verstehen, geeignete Partner einzubinden und ein Modell zu entwickeln, das zur eigenen Organisation passt, statt von Anfang an mit einer zu festen Vorstellung zu starten.

Wirtschaftlicher Nutzen für Unternehmen

Der offensichtlichste wirtschaftliche Effekt einer Investition in Rückengesundheit liegt laut Senfleben in der Reduktion von Arbeitsausfällen. Rückenschmerzen führen häufig zu wiederkehrenden Fehltagen und verursachen neben direkten Kosten durch fehlende Arbeitskraft auch indirekte Kosten, etwa wenn andere Mitarbeitende zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen und dadurch selbst stärker belastet werden.

Hinzu kommt die Wirkung auf Arbeitgeberattraktivität und Unternehmenskultur. Mitarbeitende erwarten zunehmend, dass Arbeitgeber ihre Gesundheit ernst nehmen und konkrete Angebote machen. Ein wirksames Rückengesundheitsprogramm sendet damit sowohl nach innen ein Signal der Fürsorge als auch nach außen ein Signal unternehmerischer Verantwortung, was besonders im Wettbewerb um Fachkräfte relevant sein kann.

Der erste Schritt zählt

Führungskräften, die BGM einführen möchten, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen, rät Christian Senfleben, nicht bei der Maßnahme zu starten, sondern beim Problem. Statt zu fragen, welcher Kurs angeboten werden kann, sollten Unternehmen zunächst klären, wo der größte gesundheitliche und wirtschaftliche Hebel liegt, etwa anhand von Fehlzeiten, wahrgenommenen Einschränkungen und der Bereitschaft der Belegschaft, aktiv zu werden.

Wellenpuls selbst startet dafür mit einer kostenlosen Unternehmensanamnese. Auf Basis solcher Daten lässt sich gegenüber Geschäftsführung, HR oder Betriebsrat deutlich überzeugender argumentieren als mit allgemeinen Aussagen. Sein Rat lautet daher, den Bedarf zu verstehen, Mitarbeitende einzubeziehen und mit einem klar umrissenen Pilotprojekt zu starten, das nicht von Beginn an perfekt sein muss.