Silvia Wolberink ist als Mitarbeiterin im Vertrieb und Service für die R+V Versicherung bei der Volksbank Niedergrafschaft tätig und auf LinkedIn als Stimme für Haltung, Mut und Teamkultur bekannt. Im Interview mit newworkpraxis.de spricht sie über ihr persönliches Motto, blinde Flecken in der Führungskommunikation und warum eine offene Feedbackkultur innere Kündigung verhindert.
„Gib mehr als du nimmst“: Was hinter dem Motto steckt
Dein Motto lautet „Gib mehr als du nimmst“. Was bedeutet das für dich konkret im Arbeitsalltag bei der Volksbank Niedergrafschaft?
Das Zitat stammt von Joey Kelly, der vor einigen Jahren einen Vortrag über das Thema Motivation gehalten hat. Wolberink fand den Gedanken, dass man mehr gibt, als man nimmt, inspirierend, seitdem steht er in ihrem LinkedIn- und WhatsApp-Profil. Als Mitarbeiterin im Vertrieb und Service für die R+V Versicherung ist es ihr wichtig, die Priorisierung von Kundenbedürfnissen, saubere Fallklärung, proaktive Hilfe und professionelle Abgrenzung im Griff zu haben.
Haltung, Mut und Teamkultur: Warum diese Themen zählen
Du teilst auf LinkedIn viel zu Haltung, Mut und Teamkultur. Warum sind dir diese Themen so wichtig?
Im Team kann man erfolgreich sein, wenn alle ihre Stärken einbringen können. Was einer alleine nicht schafft, kann man zusammen sehr wohl schaffen. Das wurde Wolberink in der Coronazeit noch bewusster. In der Anfangszeit nähte ein Team aus fast 100, zum Teil völlig fremden Personen, Masken für Altenheime und Schulen, da es keine Masken gab. Es war spannend zu sehen, wie kreativ jeder sich einbringen konnte. Das war der Moment, in dem sie ihre eigene Selbstwirksamkeit entdeckte: Sie konnte etwas zum Positiven verändern, während alle zu Hause bleiben mussten.
Wolberink ist christlich erzogen worden und lebt die christlichen Werte, deshalb zeigt sie Haltung. Bei der Initiative grafschaft-zeigt-gesicht.de sowie im Stadtrat ihrer Heimatstadt setzt sie sich für die Demokratie, für die Würde des Menschen, gegen Ausgrenzung und Rassismus ein. Aus diesem Grund teilt sie gerne Beiträge, die sich mit diesen Themen beschäftigen.
Echte Kommunikation im Team statt Aneinander-vorbei-Reden
Was unterscheidet aus deiner Sicht echte Kommunikation im Team von reinem Aneinander-vorbei-Reden?
Kommunikation im Team hört alle Stimmen und Meinungen und fragt bei Unklarheiten nach, um Missverständnisse zu vermeiden. Wichtig ist auch zu wissen, was bis wann erledigt werden soll, und anschließend eine Rückmeldung zu geben, ob es erledigt ist. Wenn die Kommunikation passt, läuft es besser, aber nie perfekt.
Blinde Flecken in der Führungskommunikation
Wo siehst du die größten blinden Flecken, wenn Führungskräfte glauben, gut zu kommunizieren, es aber bei den Mitarbeitenden anders ankommt?
Ein blinder Fleck ist es, wenn die Führungskraft Dinge voraussetzt, die die Mitarbeitenden nicht wissen können. Häufig hilft es, wenn das Warum erklärt wird. Wer weiß, warum etwas auf eine bestimmte Weise und bis wann gemacht werden soll, kann man es besser nachvollziehen und sträubt sich nicht dagegen, selbst wenn es unangenehm ist. Einen Schaden ablehnen zu müssen, ist zum Beispiel keine angenehme Situation, gehört jedoch zur Aufgabe.
Mutige Führung: Vertrauen statt ständiger Kontrolle
Was bedeutet für dich mutige Führung, und woran erkennst du sie in der Praxis?
Mutige Führung bedeutet für Wolberink Vertrauen in die Mitarbeitenden und Gelassenheit. Ständiges Controlling, wer was macht, würde sie persönlich bremsen, das Ziel sollte dabei aber nicht aus den Augen gelassen werden. Der Rahmen muss passen. Mitarbeitende sollten über Entscheidungen, auch schwierige, informiert werden und sich trauen, Fragen zu stellen.
Offene Feedbackkultur gegen innere Kündigung
Welche Rolle spielt eine offene Feedbackkultur dabei, dass Mitarbeitende nicht innerlich kündigen?
Eine offene Feedbackkultur ist wichtig, damit man sich als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter gesehen und wertgeschätzt fühlt. Wer weiß, dass die eigene Arbeit positiv gesehen wird und wichtig ist, bringt sich automatisch stärker ein. Außerdem kann man aus Fehlern durch konkretes und zeitnahes Feedback lernen. Ohne Angst davor kann man sogar wachsen und sich verbessern.
Rat an junge Führungskräfte
Was würdest du jungen Führungskräften raten, die gerade erst in Verantwortung hineinwachsen?
Wolberink rät jungen Führungskräften, immer zuerst den Menschen zu sehen und empathisch zu sein. Für Mitarbeitende ist es wichtig, sich über Ziele und Rollen im Klaren zu sein. Ein Team arbeitet dann gut, wenn sich die Mitarbeitenden ergänzen, statt sich als Konkurrenten zu sehen. Konflikte sollten angesprochen und offen ausgetragen werden. Rückendeckung und Sicherheit von der Führungskraft sind ebenfalls wichtig, um gut arbeiten zu können. In ihrem eigenen Team ist sich keiner zu schade, etwas für den anderen zu tun, das lässt sie immer mit Freude zur Arbeit gehen. Sie weiß, wenn sie Hilfe braucht, bekommt sie diese, und umgekehrt können sich die anderen auch auf sie verlassen.
Interview von Jörg Maire









