Rückenschmerzen, Verspannungen, sinkende Konzentration am Arbeitsplatz. Viele dieser Beschwerden haben ihren Ursprung in etwas scheinbar Banalem, der Körperhaltung im Berufsalltag. Mag. Wolfgang Baierl aus Kirchdorf an der Krems beschäftigt sich als Haltungscoach genau mit diesem Thema und zeigt Unternehmen, wie sie mit einfachen Mitteln die Gesundheit ihrer Teams stärken können. Im Interview erklärt er, warum Haltung weit mehr ist als eine Frage der Ergonomie und welche Rolle Führungskräfte dabei spielen.
Zusammenhang zwischen Haltung und Krankenständen
Eine schlechte Körperhaltung führe nicht automatisch zu Krankenständen, erklärt Baierl. Sie erhöhe aber das Risiko für Verspannungen, Rücken und Nackenschmerzen sowie langfristige Beschwerden. Wenn sich Mitarbeitende über Stunden ungünstig bewegen oder sitzen, summiere sich das über die Zeit.
Eine gute Haltung sei daher kein Luxus, sondern eine Basis für Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Unternehmen.
Unterschätztes Thema im Arbeitsalltag
In der Praxis merkt Baierl vor allem eines. Häufig werde erst reagiert, wenn Beschwerden bereits vorhanden sind, dabei gäbe es viele einfache Möglichkeiten, deutlich früher anzusetzen.
Viele Mitarbeitende wüssten gar nicht, wie sie ihren Arbeitsplatz oder ihre Haltung schon mit kleinen Veränderungen spürbar verbessern könnten. Das wirke sich nicht nur auf Einzelne aus, sondern stärke langfristig das gesamte Unternehmen.
Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung
Große Programme sind für den Einstieg gar nicht nötig, so Baierl. Schon kurze Bewegungspausen, ergonomische Tipps direkt am Arbeitsplatz oder ein kompakter Workshop könnten viel bewirken.
Entscheidend sei, dass Gesundheit regelmäßig zum Thema wird und nicht nur einmal im Jahr. Sein erster Schritt in Unternehmen ist meist ein Impulsvortrag, der das Bewusstsein schärft und die Basis für weitere Maßnahmen legt.
Wirbelsäulenscreening liefert konkrete Erkenntnisse
Ein zentrales Angebot von Baierl ist das Wirbelsäulenscreening. Dabei wird die Körperhaltung mithilfe eines Messsystems, der Medi Mouse, oder anhand von Videoanalysen erfasst.
Die Teilnehmenden erhalten eine verständliche Auswertung und erfahren, wo ihre persönlichen Stärken und möglichen Schwachstellen liegen. Für Führungskräfte entsteht zusätzlich ein anonymisiertes Gesamtbild, das dabei hilft, gezielte Maßnahmen zur Gesundheitsförderung zu planen.
Führungskräfte erkennen eigene Vorbildwirkung
Besonders spannend wird es laut Baierl, wenn Führungskräften bewusst wird, welchen Einfluss ihre eigene Haltung, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn, auf das Team hat. Das sei oft ein echter Aha Moment.
Führungskräfte erkennen dabei, dass sie nicht nur durch Worte führen, sondern auch durch ihr Verhalten und ihre Ausstrahlung. Wer selbst auf seine Gesundheit achtet und eine aufrechte Haltung zeigt, werde häufig als präsenter, ruhiger und glaubwürdiger wahrgenommen.
Rat für den Einstieg
Unternehmen, die sich gerade erst mit gesunder Führung und Teamgesundheit beschäftigen, rät Baierl vor allem eines. Nicht zu lange planen, sondern einfach anfangen.
Gesundheit entstehe durch viele kleine, konsequente Schritte. Wer Mitarbeitende früh einbindet, regelmäßig Impulse setzt und Gesundheit als Teil der Unternehmenskultur versteht, schaffe langfristig mehr Wohlbefinden, Motivation und Leistungsfähigkeit.









