Personalentwicklung gilt in vielen Unternehmen noch als Kür, die zuerst gestrichen wird, wenn es eng wird. Maris Lampen ist Marketing Managerin und ausgebildete Ausbilderin und begleitet in ihrer täglichen Praxis, wie aus Weiterbildungswünschen echte Entwicklungsperspektiven werden. Im Interview erklärt sie, warum der Nutzen für Mitarbeitende oft wichtiger ist als das neu erworbene Wissen selbst, welche Rahmenbedingungen Unternehmen schaffen sollten und was ihre drei wichtigsten Empfehlungen für Geschäftsführung und Personalverantwortliche sind.
Warum Personalentwicklung in Unternehmen noch unterschätzt wird
Oft steht am Anfang die Frage nach dem Nutzen: Zieht das Unternehmen tatsächlich einen Gewinn aus der Weiterbildung? Maris Lampen hält diese Perspektive für zu eng gefasst. Entscheidend sei nicht in erster Linie das neu erworbene Wissen, sondern die Motivation, die daraus entsteht. Ein Mitarbeiter, dem Weiterentwicklung ermöglicht wird, bringt mehr Einsatz in seine Aufgaben ein und fühlt sich wertgeschätzt. Aus dieser Wertschätzung entstehen laut Lampen regelmäßig neue Ideen und Impulse, die zurück ins Unternehmen fließen.
„Nicht immer ist das erhaltene Wissen der entscheidende Punkt, sondern die Motivation des eigenen Mitarbeiters. Das ist der Gewinn, den man am Ende zusätzlich hat.“
Dass fehlende Entwicklungsperspektiven zu den häufigsten Kündigungsgründen zählen, bestätigen auch aktuelle Studienauswertungen. Wer Personalentwicklung als Nebensache behandelt, riskiert damit mehr als unzufriedene Mitarbeitende, nämlich ihren Weggang.
Was eigene Weiterbildungserfahrungen bewirken
Auch die eigene Erfahrung spricht für Maris Lampen dafür, Weiterbildungen bis zum Ende durchzuziehen, selbst wenn äußere Umstände sie erschweren. Phasen, in denen man sich anfangs unwohl fühlt, formen den Charakter und sind Herausforderungen, aus denen sich lernen lässt. Diese Erfahrungen möchte sie in ihre berufliche Entwicklung einbringen, Verantwortung übernehmen und eigenständige Entscheidungen treffen. Weiterbildung wirkt für sie damit auch als Leitfaden für die tägliche Praxis.
Rahmenbedingungen, die Weiterbildung zur echten Chance machen
Damit Weiterbildung nicht als zusätzliche Belastung wahrgenommen wird, braucht es aus Sicht von Maris Lampen vor allem zwei Dinge: Freiraum, in dem Mitarbeitende mitbestimmen können, und ein klares Ziel vor Augen. Mitarbeitende fragten sich am Ende immer, welchen Nutzen eine Weiterbildung für sie persönlich habe, etwa eine neue Position, neue Aufgaben oder mehr Gehalt. Zusätzlich empfiehlt sie, Teams oder Teamleitungen ein festes Jahresbudget für Weiterbildung zur Verfügung zu stellen.
Ein planbares Weiterbildungsbudget wirkt dabei ähnlich wie interne Aufstiegs- und Wechselmöglichkeiten: Beides gibt Mitarbeitenden eine Entwicklungsperspektive im eigenen Unternehmen, bevor sie diese woanders suchen.
Was junge Mitarbeitende von Personalentwicklung erwarten
Aus ihrer Erfahrung als Ausbilderin weiß Maris Lampen, dass jungen Menschen heute vor allem eines wichtig ist: ein Leben, in dem berufliches und privates Umfeld gleichermaßen Zeit und Aufmerksamkeit bekommen. Entscheidend sei, auf den einzelnen Menschen einzugehen, ihm zuzuhören und herauszufinden, welchen Weg er wirklich einschlagen möchte. Das komme bereits in der Schule oft zu kurz. Unternehmen, die die Interessen junger Mitarbeitender kennen, können deren Leidenschaft gezielter einsetzen, im Betrieb wie in der Ausbildung.
Mitarbeitergespräche als Schlüssel zu Motivation und Bindung
Personalentwicklung ist für Maris Lampen mehr als ein Seminarkalender. Wer langfristig Motivation, Eigenverantwortung und Bindung fördern will, muss auf den einzelnen Mitarbeiter eingehen, auch wenn das Zeit kostet. Diese Zeit sei gut investiert: Ein unzufriedener Mitarbeiter, der seine Aufgaben nicht mehr richtig erfüllt oder am Ende kündigt, koste ein Unternehmen am Ende deutlich mehr. Deshalb hält sie einzelne Mitarbeitergespräche für zentral, in denen auch Weiterbildung und Entwicklung besprochen werden. Mitarbeitende wollten in Prozesse und Entscheidungen eingebunden werden und sich als Teil des Ganzen erfahren.
Wie sich solche Gespräche strukturiert und wirksam führen lassen, zeigt der Beitrag über Zielvereinbarungsgespräche im Mittelstand.
Drei Empfehlungen für erfolgreiche Personalentwicklung
Für Geschäftsführung und Personalverantwortliche empfiehlt Maris Lampen konkret drei Schritte:
- Gespräche führen. Aus dem direkten Austausch mit Mitarbeitenden ergeben sich bereits viele wichtige Erkenntnisse.
- Auf Vorschläge eingehen. Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst nehmen und umsetzen, wo es möglich ist, und offen erklären, wenn eine Umsetzung nicht möglich ist.
- Festen Rahmen schaffen. Ob zeitlich, etwa ein fester Nachmittag in der Woche, oder über ein Budget: Ein verlässlicher Rahmen gibt Mitarbeitenden die Möglichkeit, Verantwortung für die eigene Entwicklung zu übernehmen und diese aktiv mitzugestalten.
„Letztendlich kann nur gesprochenen Menschen geholfen werden. Die Möglichkeit und den Raum für diese Gespräche können Geschäftsführer und Personalverantwortliche bieten“, fasst Maris Lampen zusammen.
FAQ zum Thema Personalentwicklung
Warum wird Personalentwicklung in Unternehmen oft unterschätzt?
Weil der Nutzen zunächst unklar wirkt. Entscheidend ist laut Maris Lampen aber nicht nur das neue Wissen, sondern vor allem die Motivation, die aus ermöglichter Weiterentwicklung entsteht.
Welche Rahmenbedingungen brauchen Mitarbeitende, damit Weiterbildung als Chance wirkt?
Freiraum zur Mitbestimmung, ein klares persönliches Ziel und im besten Fall ein festes Budget, das Teams oder Teamleitungen für Weiterbildung nutzen können.
Wie wichtig sind Mitarbeitergespräche für die Personalentwicklung?
Sehr wichtig: Nur im direkten, einzelnen Gespräch lassen sich Wünsche, Hindernisse und passende Entwicklungsschritte wirklich klären, statt sie einmal im Jahr pauschal abzuhaken.
Was können Unternehmen von jungen Mitarbeitenden bei der Personalentwicklung lernen?
Zuzuhören und herauszufinden, welchen beruflichen Weg der oder die Einzelne wirklich gehen möchte, statt Entwicklung nach einem starren Schema vorzugeben.









