„Das ist kein persönliches Versagen – das ist ein kollektives Informationsdefizit“
Maria Brie ist Certified Master Coach und gründete das Sex & Souls Institute in Berlin. Im Interview spricht sie darüber, warum so viele Frauen ihr eigenes Erleben nicht verstehen, was Intimacy Coaching wirklich bedeutet – und wie KI ihre Arbeit verändert.
Was Frauen wirklich fehlt – und warum es keine Schwäche ist
Viele Frauen kommen zu Maria Brie mit dem Gefühl, äußerlich alles erreicht zu haben – und trotzdem etwas Wesentliches zu vermissen. Was das ist? „Das Verständnis dafür, wie sie wirklich funktionieren“, sagt Brie. „Wie wir Frauen wirklich funktionieren.“
Bis ein Frauenkörper bereit ist, sich auf Intimität einzulassen, braucht es im Schnitt eine halbe Stunde – weil sich der Uterus heben muss, weil das weibliche Gehirn Lust grundlegend anders verarbeitet als das männliche. Weibliche Erregung ist kontextabhängig, zyklisch, stimmungsgebunden. Männliche Erregung ist reaktiv.
„Das wird nirgendwo gezeigt. Was gezeigt wird, ist ein männliches Skript. Und weil jede Frau nur dieses Skript kennt, denkt jede, sie sei die Einzige, die so tickt – zu langsam, zu kompliziert, irgendwie falsch. In Wirklichkeit betrifft das alle.“
Was Frauen im Wesentlichen vermissen, ist das Gefühl, sich selbst annehmen zu dürfen – mit ihrem Rhythmus, ihrer Biologie, ihren Bedürfnissen. „Das ist kein persönliches Versagen. Das ist ein kollektives Informationsdefizit.“
Was Intimacy Coaching wirklich bedeutet
Wer bei „Intimacy Coaching“ an intime Details denkt, liegt falsch. „Was jemand im Bett macht, wie oft, mit wem – das interessiert mich nicht. Und wir reden auch nicht darüber.“
Bries eigentliche Frage lautet: Wie gut weißt du überhaupt, was du brauchst?
„Der erste Schritt ist immer: Erlaubst du dir das zu wollen? Dann erst: Kannst du es kommunizieren – mit dir selbst, mit deinem Partner, in deinem Leben?“ Die meisten Frauen, die zu ihr kommen, haben noch nie jemandem gesagt, was ihnen wirklich gut tut. Im Bett nicht. Und oft auch sonst nicht.
Eine Klientin beschreibt es so: „Es tut unglaublich gut, endlich offen über dieses Thema zu sprechen, ohne Angst zu haben, dafür verurteilt zu werden.“
Bries Ansatz verbindet Selbstkenntnis, Kommunikation und wissenschaftlich fundiertes Körperwissen – ohne Scham.
KI als Sekretariat, Sparringspartner und Spiegel
Maria Brie nutzt KI täglich – und zwar auf vier Ebenen: für Recherche, für Content und Kommunikation, für Administration und als Spiegel.
„Ich arbeite evidenzbasiert. Eine neue Klitoris-Nerven-Studie aus Amsterdam von März 2026 hatte ich innerhalb von Minuten eingeordnet und in meinen Content integriert.“ KI hilft ihr, ihre Stimme konsistent nach außen zu tragen – nicht als Ghostwriter, sondern als Sparringspartner.
Den Verwaltungsaufwand, für den früher ein Sekretariat nötig gewesen wäre – Contentpläne, Datenbankpflege, Terminstruktur – erledigt sie heute mit KI. „Das gibt mir Zeit für das, was ich wirklich kann: mit Menschen arbeiten.“
Und als Spiegel? „Wer KI gut nutzt, muss sich selbst klar sein. Wer nicht weiß, was er braucht, kommuniziert es auch nicht – und bekommt nicht, was er will. Das ist eine direkte Parallele zu meiner Arbeit.“
Wissenschaft statt Methode: Was wirkungsvolles Coaching unterscheidet
Der Premium-Coaching-Markt für Frauen wächst. Was trennt wirkungsvolles Coaching von modischen Angeboten?
„Es gibt viele Wege: Körperarbeit, Human Design, Tantra, Romantikwochenenden. Ich urteile nicht darüber.“ Für Brie und ihre Klientinnen hilft etwas anderes: sich mit den Fakten auseinanderzusetzen.
„Die wissenschaftlichen Grundlagen sind allgemein – das Coaching ist absolut persönlich. Beides zusammen macht den Unterschied.“
Eine weitere Klientin fasst es zusammen: „Obwohl ich mich für einen sehr reflektierten Menschen halte, hat mir das Coaching gezeigt, wie wertvoll ein neutraler, geschulter Blick von außen ist.“
Der persönliche Weg: Als die Wissenschaft ihr selbst half
Was hat Maria Brie zu dieser Arbeit geführt? „Ehrlich gesagt hat mir die Wissenschaft selbst geholfen. Als jüngere Frau hat sie mir erklärt, warum ich so ticke wie ich ticke. Dass ich völlig in Ordnung bin.“
Aus diesem Verständnis entstand für sie eine Leichtigkeit, über das Thema zu sprechen. Aus dieser Leichtigkeit entstand Verbindung.
„Wenn man sich mit der Wissenschaft hinter der Leidenschaft beschäftigt, wird klar, warum wir das erleben, was wir erleben. Aus dieser Verbindung entsteht das Wunderbare, was wir dann tatsächlich miteinander erleben können. Das ist mein Weg. Und deshalb ist es auch meine Arbeit.“
Über Maria Brie
Maria Brie ist Certified Master Coach und Gründerin des Sex & Souls Institute in Berlin. Sie arbeitet auf individueller Ebene mit Frauen an Themen rund um Intimität, Kommunikation und Selbstkenntnis – wissenschaftlich fundiert, ohne Scham. Mehr Informationen unter www.sexandsouls.de.




