Ein Neuanfang in der Schweiz kann beruflich und persönlich alles verändern, das zeigt der Weg von Krisztina Müller. Vom eigenen Grosshandelsunternehmen über eine stellvertretende Geschäftsführung bis zur heutigen Filialleitung im Frischfisch-Grosshandel. Im Interview mit newworkpraxis.de spricht sie über ihr verändertes Führungsverständnis, den Neustart im Ausland und darüber, warum Vertrauen und Respekt im Team wichtiger sind als reine Leistung.
Vom eigenen Unternehmen zur Führungsrolle
Du bist von der eigenen Firmengründung über die Stellvertretende Geschäftsführung bis zur Filialleitung in der Schweiz gegangen. Was hat dich dazu bewogen, diesen Weg zu gehen, und was hat sich in deinem Führungsverständnis dabei am meisten verändert?
Krisztina Müller hatte nach eigenen Worten nie den Plan, einfach nur Karriere zu machen. Sie hat vor allem der Wunsch angetrieben, Verantwortung zu übernehmen und Dinge mitzugestalten. Die Gründung ihres eigenen Unternehmens war für sie eine Herzensentscheidung, mit der sie beweisen wollte, dass harte Arbeit und gute Beziehungen zum Erfolg führen.
Mit der Zeit hat sich ihr Verständnis von Führung stark verändert. Früher dachte sie, eine gute Führungskraft müsse jede Lösung selbst kennen. Heute weiss sie, dass gute Führung vor allem darin besteht, den Mitarbeitenden zuzuhören, Vertrauen zu schenken und gemeinsam Lösungen zu finden. Jede Station, sei es als Unternehmerin, stellvertretende Geschäftsführerin oder heute als Filialleiterin, hat sie geprägt und ihren Blick auf Führung menschlicher gemacht.
Neuanfang in der Schweiz: Ein Neustart im fremden Land
Der Umzug in die Schweiz war für dich auch eine berufliche Auszeit. Wie hast du diese Phase genutzt, und was hat dir dabei geholfen, danach wieder voll in eine Führungsrolle einzusteigen?
Ein Umzug in ein neues Land bedeutet für Krisztina Müller, beruflich und privat noch einmal ganz von vorne anzufangen. Es gab durchaus Momente, in denen sie sich gefragt hat, wie schnell sie wieder dort anknüpfen kann, wo sie vorher stand. Diese Zeit hat sie bewusst genutzt, um sich auf die Schweiz einzustellen, das Arbeitsumfeld kennenzulernen und sich fachlich weiterzubilden.
Ihr war dabei wichtig, nicht einfach irgendeinen Job anzunehmen, sondern langfristig wieder Verantwortung übernehmen zu können. Geholfen hat ihr vor allem ihre innere Einstellung. Sie hatte nie das Gefühl, etwas verloren zu haben, sondern wusste, was sie kann, und war bereit, es Schritt für Schritt wieder zu zeigen. Dass sie heute erneut eine Filiale leitet, bestätigt ihr, dass sich Geduld, Einsatz und Offenheit auszahlen.
Führung im hektischen Tagesgeschäft
Als Filialleiterin im Frischfisch-Grosshandel trägst du Verantwortung für Team, Kundschaft und Tagesgeschäft zugleich. Was macht Führung in diesem Umfeld besonders anspruchsvoll im Vergleich zu deinen früheren Rollen?
Im Frischfischhandel ist laut Krisztina Müller jeder Tag anders. Es geht um frische Ware, enge Zeitfenster und Kundinnen und Kunden, die sich auf eine pünktliche Lieferung verlassen. Entscheidungen müssen dabei oft sehr schnell getroffen werden, weshalb Kommunikation eine zentrale Rolle spielt. Prioritäten setzen, flexibel bleiben und gleichzeitig dafür sorgen, dass das Team ruhig und konzentriert arbeitet, gehört für sie zum Alltag.
Im Vergleich zu früheren Positionen ist ihr heutiger Alltag deutlich operativer. Sie versteht sich nicht nur als Führungskraft, sondern arbeitet selbst aktiv im Tagesgeschäft mit. Genau das gefällt ihr, denn sie ist überzeugt, dass eine Führungskraft wissen sollte, was im operativen Geschäft passiert, und ihr Team auch praktisch unterstützen können sollte.
Was die Unternehmerzeit ihr mitgab
Du hast selbst ein Unternehmen gegründet und geführt, bevor du in angestellte Führungspositionen gewechselt bist. Was nimmst du aus der Unternehmerperspektive mit in deine heutige Arbeit als Filialleiterin?
Die Zeit als Unternehmerin hat Krisztina Müller gelehrt, dass jede Entscheidung Auswirkungen hat, auf Kundschaft, Mitarbeitende und das Unternehmen selbst. Deshalb denkt sie heute oft einen Schritt weiter und fragt sich nicht nur, ob etwas funktioniert, sondern auch, ob es wirtschaftlich sinnvoll und langfristig tragfähig ist.
Ausserdem hat sie gelernt, Verantwortung wirklich zu übernehmen. Wenn Probleme auftreten, sucht sie nicht nach Schuldigen, sondern nach Lösungen. Diese unternehmerische Denkweise begleitet sie bis heute in ihrer Rolle als Filialleiterin.
Motivation im hektischen Alltag
Wie sorgst du dafür, dass dein Team auch in einem schnelllebigen, operativen Geschäft wie dem Frischfischhandel motiviert und eingespielt bleibt?
Für Krisztina Müller beginnt Motivation nicht mit grossen Reden, sondern im Alltag. Sie versucht, offen zu kommunizieren, selbst mit anzupacken und ihrem Team zu zeigen, dass alle gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Ihr ist wichtig, dass jede und jeder weiss, warum die eigene Arbeit wichtig ist, und dass Fehler angesprochen werden dürfen, ohne dass jemand Angst haben muss.
Humor gehört für sie ebenfalls dazu. Gerade an stressigen Tagen hilft ihrer Erfahrung nach manchmal ein Lächeln oder ein kurzer lockerer Moment mehr als jede Motivationsrede. Wenn Menschen gerne zusammenarbeiten, merkt das am Ende auch die Kundschaft.
Rat für einen beruflichen Neuanfang
Was würdest du Menschen raten, die beruflich noch einmal ganz neu anfangen möchten, so wie du es mit deinem Wechsel in die Schweiz getan hast?
Ihr Rat lautet, Mut zu haben und geduldig mit sich selbst zu sein. Ein Neuanfang bedeutet fast immer, die eigene Komfortzone zu verlassen. Man muss bereit sein zu lernen, Rückschläge auszuhalten und manchmal auch einen Schritt zurückzugehen, um später zwei Schritte nach vorne machen zu können.
Krisztina Müller hat geholfen, offen zu bleiben und jede Chance als Möglichkeit zur Weiterentwicklung zu sehen. Sie ist überzeugt, dass Erfahrungen nie verloren gehen, egal in welches Land oder welche Branche man wechselt. Wer engagiert ist, Verantwortung übernimmt und ehrlich mit Menschen umgeht, dem öffnen sich früher oder später neue Türen.









