Innere Blockaden bei Unternehmern: Warum Unternehmen nur so weit wachsen, wie ihre Menschen sich entwickeln

Innere Blockaden bei Unternehmern zeigen sich selten dort, wo man sie zuerst vermutet: in der Bilanz, im Vertrieb oder in der Strategie. Sie zeigen sich in Entscheidungsschwäche, in einem Gefühl von Getriebenheit, das sich über Jahre nicht mehr hinterfragt, und in einer stillen Distanz zum eigenen Körper und den eigenen Gefühlen.

Tanja Gruber begleitet seit vielen Jahren Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, genau diese blinden Flecken sichtbar zu machen, unter anderem mit pferdegestütztem Coaching auf Basis der identitätsorientierten Psychotraumatheorie und -therapie, kurz IoPT. Im Gespräch schildert sie, warum sich Führungskräfte oft über Jahrzehnte selbst nicht mehr fühlen, welche Rolle eigene Grenzerfahrungen für ihre heutige Arbeit spielen und weshalb der Blick nach innen für viele Unternehmer der eigentlich ungenutzte Erfolgshebel ist.

Der Beitrag ordnet ihre Antworten in einen für Geschäftsführer und Führungskräfte praktisch nutzbaren Rahmen ein und zeigt, an welchen konkreten Stellen im Führungsalltag sich mangelnde Selbstwahrnehmung als betriebswirtschaftliches Risiko niederschlägt, von Entscheidungsstau über erhöhte Fluktuation bis zu einer Unternehmenskultur, die die eigene Verdrängung der Führungsspitze unbewusst spiegelt.

Warum innere Blockaden bei Unternehmern über den Erfolg des Unternehmens entscheiden

Ein Unternehmen kann sich nach der Erfahrung von Tanja Gruber langfristig nur so weit entwickeln, wie sich die Menschen an seiner Spitze selbst entwickeln. Das ist mehr als eine griffige Formel: Wer als Geschäftsführer oder Geschäftsführerin über Jahre in einem reinen Funktionsmodus arbeitet, überträgt diesen Modus unweigerlich auf die Organisation, in Entscheidungsmustern, im Umgang mit Fehlern und in der Art, wie mit Belastung im Team umgegangen wird. Innere Blockaden bei Unternehmern bleiben deshalb selten ein rein privates Thema, sie wirken strukturell in das Unternehmen hinein.

Für die Geschäftsführung bedeutet das: Themen, die auf den ersten Blick rein persönlich wirken, etwa chronische Erschöpfung, Entscheidungsvermeidung oder ein diffuses Gefühl von Sinnverlust im eigenen Unternehmen, sollten nicht vorschnell als reines Privatthema abgetan werden. Sie beeinflussen nachweisbar, wie Führungskräfte mit Unsicherheit im Team umgehen, wie viel Risiko sie bereit sind einzugehen, und wie glaubwürdig sie Veränderung von anderen einfordern können, ohne selbst dafür ein Vorbild zu sein.

Die häufigste Blockade: Betriebsamkeit statt Selbstwahrnehmung

Auf die Frage, welche innere Blockade ihr in der Begleitung von Unternehmern am häufigsten begegnet, nennt Tanja Gruber vor allem Angst vor Veränderung und Entscheidungsschwierigkeiten. Das Unternehmen existiert, das Tagesgeschäft läuft, und genau das verdeckt oft über Jahrzehnte, dass sich die verantwortliche Person selbst im eigenen Körper längst nicht mehr wahrnimmt. Sie beschreibt eine Gesellschaft, die bereits jungen Menschen beibringt, sich anzupassen und äußeren Normen gerecht zu werden, statt dem eigenen Gefühl zu vertrauen, wodurch viele Unternehmer nie systematisch lernen, ihr eigenes „Warum“ zu erkennen.

„Unsere Ängste wollen wir oft am liebsten weghaben oder fühlen sie gar nicht mehr. Dabei sind sie ein guter Wegweiser, wenn wir bereit sind, ihnen Raum und Zeit zu geben.“ (Tanja Gruber)

Nach ihrer Beobachtung fehlt vielen Unternehmern nicht der Wille zur Veränderung, sondern eine klare Vision dessen, was anstelle des unbefriedigenden Ist-Zustands treten soll, verbunden mit dem Gefühl der eigenen Stimmigkeit im Alltagsgeschäft.

Vom Schwerstunfall zur Trauma-Aufarbeitung: Der Weg von Tanja Gruber

Tanja Gruber spricht offen darüber, dass ihre heutige Arbeit auch aus eigener, sehr harter Erfahrung entstanden ist. Sie berichtet von zahlreichen Unfällen seit ihrer Kindheit, einem Schwerstunfall im Jahr 2015 mit bleibenden gesundheitlichen Folgen, mehreren Nahtoderfahrungen und mehreren Operationen. Sie beschreibt zudem frühkindliche Belastungen, darunter eine existenziell bedrohliche Ausgangssituation bereits vor ihrer Geburt sowie Missbrauchserfahrungen, die sich über Jahrzehnte durch ihr Leben zogen, bevor sie diese therapeutisch aufarbeiten konnte.

Ihre zentrale Erkenntnis daraus: Über Jahrzehnte hatte sie sich selbst in ihrem Körper nicht mehr gefühlt und dadurch auch die eigenen Grenzen nicht mehr erkannt. Erst der Schwerstunfall 2015 und die intensive therapeutische Aufarbeitung, teils mehrmals wöchentlich über Jahre, führten dazu, dass sie sich mit den eigenen Ängsten auseinandersetzte, statt sie weiter zu verdrängen. Aus dieser eigenen Aufarbeitung, insbesondere mit der IoPT-Methode nach Franz Ruppert, entwickelte sie nach eigener Einschätzung eine hohe Kompetenz, vergleichbare innere Zustände auch bei ihren Klientinnen und Klienten schnell zu erkennen und zu benennen.

Der Blick nach innen als Erfolgsfaktor: Wann Reflexion wichtiger wird als Strategie

Viele Unternehmer versuchen nach Beobachtung von Tanja Gruber, Probleme ausschließlich im Außen zu lösen und wollen die Antworten bereits kennen, bevor die eigentliche Frage überhaupt gestellt ist. Ihr methodischer Ansatz setzt genau dort an, unter anderem mit pferdegestütztem Coaching, bei dem das Verhalten des Pferdes als unmittelbarer Spiegel für ungefühlte Emotionen und ungeklärte innere Konflikte dient.

Als Beispiel schildert sie die Arbeit mit dem Leiter einer Heilpraktikerschule, der mit dem Thema „In meiner Beziehung bewegt sich nichts mehr“ zu ihr kam. Solange er das Thema nur gedanklich bearbeitete, blieb auch das Pferd über eine Stunde regungslos stehen. Erst als er die dazugehörige Emotion tatsächlich im Körper zuließ, setzte sich das Pferd unmittelbar in Bewegung. In einem weiteren Beispiel, einem Ehepaar, das gemeinsam eine Glaserei führt und regelmäßig über Entscheidungstempo aneinandergeriet, wusste das Pferd zunächst nicht, wem es folgen sollte. Erst als einer der beiden der anderen Person bewusst mehr Führung überließ, bewegte sich das Tier mühelos ohne Strick und Halfter mit beiden gemeinsam, ein Bild, das sich nach ihrer Aussage auch im Unternehmen selbst spürbar niederschlug.

Diese Beispiele lassen sich nicht eins zu eins auf jede Unternehmenssituation übertragen, sie verdeutlichen aber ein wiederkehrendes Muster: Solange ein Konflikt oder ein Entscheidungsproblem nur gedanklich bearbeitet wird, bleibt häufig auch die tatsächliche Handlung aus. Erst wenn die zugrunde liegende Emotion, etwa Angst vor Kontrollverlust oder ein ungeklärter Rollenkonflikt zwischen Geschäftsführenden, tatsächlich wahrgenommen wird, entsteht nach dieser Erfahrung auch im Außen wieder Bewegung, sei es im Unternehmen selbst oder in der Zusammenarbeit zwischen mehreren Geschäftsführenden.

Was gesunde erfolgreiche Unternehmer von reinen Funktionierern unterscheidet

Auf die Frage, was Unternehmer, die langfristig gesund erfolgreich sind, von jenen unterscheidet, die dauerhaft nur funktionieren, nennt Tanja Gruber mehrere wiederkehrende Merkmale: ein klares Körpergefühl als Entscheidungsgrundlage, eine grundsätzliche Akzeptanz der eigenen Stärken und Schwächen, einen bewussten Verzicht auf ständige Vergleiche mit anderen sowie klare eigene Ziele und Visionen. Entscheidend ist für sie dabei weniger die Abwesenheit von Krisen als der Umgang damit. Wer innere Blockaden bei Unternehmern frühzeitig erkennt und bearbeitet, verringert damit erfahrungsgemäß auch das Risiko, dass persönliche Erschöpfung erst dann sichtbar wird, wenn bereits gesundheitliche oder unternehmerische Folgeschäden entstanden sind.

MerkmalGesunde erfolgreiche UnternehmerReine Funktionierer
Körperwahrnehmungspüren Entscheidungen als stimmig oder unstimmigentscheiden überwiegend über den Verstand
Umgang mit Rückschlägenakzeptieren auch schwierige Phasen als Teil des Wegesbewerten Rückschläge als reines Versagen
Vergleich mit anderengering ausgeprägthoch ausgeprägt, verstärkt inneren Druck
Zielklarheitklare eigene Vision vorhandenZiele oft von außen übernommen

Pferdegestütztes Coaching, Bücher und Reisebegleitung: Erkenntnisse aus der Praxis

Neben dem pferdegestützten Coaching arbeitet Tanja Gruber auch als Ghostwriterin für Buchprojekte und begleitet Reisen. In allen drei Arbeitsbereichen berichtet sie von einer wiederkehrenden Rückmeldung ihrer Klientinnen und Klienten: dass ihnen durch die Arbeit ein roter Faden im eigenen unternehmerischen Werdegang bewusst wurde, den sie zuvor nicht erkannt hatten. Beim Schreiben der eigenen Geschichte entstehe häufig eine Klarheit, die im hektischen Tagesgeschäft sonst nicht entsteht, während das pferdegestützte Coaching oft körperlich unmittelbar erfahrbar macht, wie unbewusst bestimmte Muster bislang gelebt wurden.

Ein von ihr geschildertes Beispiel betrifft einen Coach, dem es zwar leichtfiel, Termine zu vereinbaren, die aber überdurchschnittlich häufig kurzfristig wieder abgesagt wurden. Über die Arbeit mit dem Pferd kam er mit einem eigenen, bislang unbearbeiteten Belastungsthema in Kontakt. Nachdem er begann, die Signale des Pferdes bewusster wahrzunehmen, habe sich nach ihrer Schilderung auch sein geschäftlicher Kontakt zu potenziellen Auftraggebern spürbar leichter gestaltet, mit einer nach eigenen Angaben deutlich verbesserten Auftragslage über mehrere Jahre.

Für Geschäftsführer, die eine ähnliche Arbeit nicht selbst mit einem Pferd, sondern im eigenen Führungsalltag umsetzen wollen, lässt sich der Kerngedanke auch ohne Coaching-Setting übertragen: Wiederkehrende zwischenmenschliche Reibung im Führungsteam, etwa ständig verschobene Entscheidungen oder ungewöhnlich häufige Terminabsagen bei eigentlich vielversprechenden Projekten, verdient in der Regel eine genauere Betrachtung, statt ausschließlich mit weiteren organisatorischen Maßnahmen beantwortet zu werden.

Der eine Impuls für Führungskräfte: Fünf Minuten tägliche Selbstwahrnehmung

Gefragt nach der einen Veränderung, die jede Führungskraft aus dem Interview mitnehmen sollte, nennt Tanja Gruber eine bewusst kleine, aber verbindliche Praxis: täglich fünf Minuten ohne Ablenkung, am besten fest im Kalender verankert, in denen die eigene Körperwahrnehmung und aufkommende Emotionen wahrgenommen werden, ohne sie sofort bewerten oder verändern zu wollen. Ergänzend empfiehlt sie die Selbstreflexionsfrage, wie man sich selbst gerade durch den eigenen Alltag führt und welche Auswirkung das eigene innere Führungsverhalten auf den Umgang mit anderen hat.

„Das entlastet, entspannt und verändert oft den inneren Zustand von alleine, ohne eine Veränderung erzwingen zu wollen.“ (Tanja Gruber)

Praktische Ansatzpunkte: Wie Unternehmen von innerer Klarheit ihrer Führungskräfte profitieren

Auch wenn die Arbeit von Tanja Gruber methodisch stark auf individueller Ebene ansetzt, lassen sich daraus Ansatzpunkte ableiten, die sich unabhängig vom konkreten Coaching-Format in den Führungsalltag eines Unternehmens integrieren lassen. Innere Blockaden bei Unternehmern lassen sich selten per Anweisung auflösen, wohl aber lässt sich ein Rahmen schaffen, in dem Selbstreflexion nicht als Schwäche, sondern als Teil professioneller Führungsarbeit verstanden wird.

  1. Regelmäßige, geschützte Reflexionszeit fest im Kalender der Geschäftsführung verankern, statt sie dem Zufall des Tagesgeschäfts zu überlassen
  2. Externe Begleitung, etwa Coaching oder Supervision, als selbstverständlichen Bestandteil der eigenen Führungsentwicklung etablieren, nicht erst als Reaktion auf eine Krise
  3. Im Führungskreis offen thematisieren, dass Entscheidungsschwäche oder Erschöpfung ernst genommene Signale sind, keine Charakterschwäche
  4. Feedbackformate schaffen, in denen auch das eigene Führungsverhalten der Geschäftsführung von Mitarbeitenden gespiegelt werden darf
  5. Nachfolgeplanung und Führungskräfteentwicklung bewusst auch um die Dimension der Selbstführung erweitern, nicht nur um fachliche und methodische Kompetenzen

Unternehmen, die diese Punkte ernst nehmen, schaffen nach Einschätzung von Tanja Gruber eine Kultur, in der sich Menschen eher trauen, frühzeitig auf eigene Belastungsgrenzen hinzuweisen, statt bis zum Zusammenbruch zu funktionieren. Das wirkt sich mittelbar auch auf Fluktuation, Krankenstand und die Qualität von Entscheidungen im gesamten Unternehmen aus.

Für Unternehmen, die sich mit der eigenen Führungskultur ernsthaft auseinandersetzen wollen, lohnt sich daher der Blick über klassische Managementmethoden hinaus. Innere Blockaden bei Unternehmern lassen sich nicht mit einer neuen Software oder einer weiteren Prozessanweisung auflösen, sondern nur durch die Bereitschaft der jeweiligen Führungsperson, sich selbst ehrlich zu betrachten, im Zweifel mit externer, methodisch fundierter Unterstützung.

FAQ

Was versteht man unter inneren Blockaden bei Unternehmern?

Damit sind unbewusste Muster, Ängste oder verdrängte Emotionen gemeint, die Entscheidungsverhalten, Belastbarkeit und Führungsverhalten beeinflussen, ohne dass sie den Betroffenen selbst bewusst sind. Innere Blockaden bei Unternehmern zeigen sich häufig erst indirekt, etwa über wiederkehrende Konfliktmuster im Führungsteam oder über eine auffällig hohe eigene Erschöpfung trotz objektiv guter Geschäftslage.

Was ist die IoPT-Methode?

Die identitätsorientierte Psychotraumatheorie und -therapie ist ein von Franz Ruppert entwickelter Ansatz, der psychische Symptome auf unverarbeitete Trauma-Erfahrungen zurückführt und mit körperorientierten Methoden bearbeitet.

Wie funktioniert pferdegestütztes Coaching konkret?

Pferde reagieren unmittelbar und ohne Wertung auf innere Zustände des Menschen, etwa Anspannung oder mangelnde Klarheit. Ihr Verhalten macht innere Prozesse dadurch körperlich unmittelbar erfahrbar, statt sie nur gedanklich zu besprechen.

Muss man an Psychotherapie glauben, um von diesem Ansatz zu profitieren?

Nein. Der Ansatz setzt keine bestimmte Weltanschauung voraus, sondern die Bereitschaft, eigene Körperwahrnehmung und Emotionen überhaupt erst wieder zuzulassen.

Wie viel Zeitaufwand erfordert die von Tanja Gruber empfohlene tägliche Praxis?

Sie empfiehlt bewusst nur fünf Minuten täglich als niedrigschwelligen, aber verbindlichen Einstieg in mehr Selbstwahrnehmung, ohne dass dafür eine größere Zeitumstellung im Alltag notwendig wäre.