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Kreatives Teambuilding: Monika Schiwy im Atelier

Kreatives Teambuilding: Was ein Nachmittag im Atelier über Teams verrät

Kreatives Teambuilding setzt dort an, wo Hochseilgarten und Abendessen aufhören. Wenn ein Team gemeinsam vor einer weißen Leinwand steht, gibt es kein Richtig und kein Falsch, keine Gewinner und keine Verlierer. Genau dann wird sichtbar, wer im Team führt, wer zögert und wie Entscheidungen fallen.

Darüber haben wir mit Monika Schiwy gesprochen. Die Künstlerin aus Münster bietet in ihrem Atelier Malworkshops für Teams und Firmen an. Im Interview erzählt sie, wie sie zu diesem Angebot gekommen ist, was in einer Gruppe ohne Vorkenntnisse passiert, welche Rollen sie dabei beobachtet und was Teams aus einem Atelier-Nachmittag mit in ihren Arbeitsalltag nehmen.

Vom eigenen Atelier zum Team-Event

Wie bist du dazu gekommen, Malworkshops für Teams und Firmen anzubieten?

Monika Schiwy: Es war ein fließender Übergang aus meiner eigenen künstlerischen Arbeit und der Beobachtung, wie befreiend das Malen für Menschen sein kann.

Immer wieder kamen Menschen, zum Beispiel am Tag der offenen Tür, in mein Atelier und sagten: „Ich würde das gerne mal ausprobieren, aber ich kann überhaupt nicht malen.“ Wenn ich sie dann begleiten durfte und sah, wie nach anfänglichem Zögern plötzlich Vertrauen und purer Ausdruck entstanden, hat mich das jedes Mal tief berührt.

Irgendwann fragte das erste Unternehmen an, ob man so etwas nicht mal als Team-Event machen könnte. Da wurde mir klar: Die Dynamik, die entsteht, wenn ein ganzes Team gemeinsam den Leistungsdruck abstreift und sich auf einen kreativen Prozess einlässt, ist unglaublich wertvoll. Für das Miteinander im Job und für jeden Einzelnen.

Was passiert in einer Gruppe, wenn Menschen ohne Vorkenntnisse zum ersten Mal gemeinsam vor einer Leinwand stehen?

Monika Schiwy: Im ersten Moment herrscht fast immer eine Mischung aus gespannter Erwartung und ehrlicher Verunsicherung. Viele spüren den sofortigen Drang, es „richtig“ machen zu wollen, und suchen nach einer Anleitung oder einem perfekten Ergebnis.

Doch je länger der Pinsel in der Hand ist und je mehr Farbe auf die Leinwand kommt, desto schneller bricht dieses starre Korsett auf. Wenn die ersten Farbspritzer danebengehen oder die Farben auf der Leinwand ineinanderlaufen, merken alle: Hier gibt es keine Fehler, hier gibt es nur Entstehung.

Plötzlich wandelt sich die Anspannung in ein gelöstes, fast kindliches Staunen. Die Gesichter entspannen sich, es wird gelacht, und der Raum füllt sich mit einer wunderbaren, konzentrierten Leichtigkeit.

Kreatives Teambuilding als Vergrößerungsglas für Gruppendynamik

Was beobachtest du dabei über die Zusammenarbeit, zum Beispiel wer führt, wer zögert und wie Entscheidungen fallen?

Monika Schiwy: Das Atelier ist wie ein Vergrößerungsglas für Gruppendynamiken. Man sieht im Kleinformat genau das, was im Büroalltag oft verdeckt abläuft:

  • Die Planer und Zögerlichen: Sie stehen oft minutenlang vor der leeren Leinwand, mischen die Farben perfekt an und trauen sich kaum, den ersten Strich zu setzen, aus Angst, das Bild „zu ruinieren“.
  • Die Macher: Sie legen sofort los, hauen dicke Farbschichten auf die Leinwand und improvisieren sich von Problem zu Problem.
  • Die Dynamik dazwischen: Spannend wird es, wenn Teams an gemeinsamen Großprojekten arbeiten. Da zeigt sich blitzschnell, wer die Führung übernimmt, wer eher moderiert, wer im Hintergrund die Fäden zieht und wie Kompromisse ausgehandelt werden. Oft geschieht das nonverbal, allein über den Blick zur Nachbarleinwand oder das Teilen von Farben.

Was nehmen Teams aus so einem Atelier-Nachmittag mit in ihren Arbeitsalltag?

Monika Schiwy: Sie nehmen vor allem eine neue Qualität des Miteinanders und eine veränderte Fehlerkultur mit. Wer einmal erlebt hat, wie aus einem vermeintlichen „Fehler“ oder einem unglücklichen Pinselstrich durch ein bisschen Mut und Kreativität etwas völlig Neues und Schönes entstehen kann, geht anders mit unvorhergesehenen Problemen im Job um.

Außerdem lernen sich Kolleginnen und Kollegen auf einer menschlichen Ebene kennen, die im Meetingraum verborgen bleibt. Man sieht die Kollegin aus der Buchhaltung plötzlich in ihrem kreativen Flow oder lacht gemeinsam über ein misslungenes Farbexperiment. Dieses verbindende Erlebnis schafft ein tieferes Vertrauen und eine nahbarere Kommunikation, die den Arbeitsalltag langfristig entspannter macht.

Kreatives Teambuilding statt Hochseilgarten und Abendessen

Wie unterscheidet sich ein kreativer Workshop von klassischen Teambuilding-Maßnahmen?

Monika Schiwy: Klassische Teambuilding-Maßnahmen finden oft auf einer rein kognitiven oder spielerischen Ebene statt. Man löst Rätsel, klettert gemeinsam im Hochseilgarten oder sitzt beim Essen. Dabei schlüpft man unbewusst oft wieder in seine gewohnten Arbeits- und Funktionsrollen.

Ein kreativer Workshop im Malatelier setzt ganz woanders an: Er ist haptisch, sinnlich und frei von jeglichem Leistungs- oder Konkurrenzdruck. Es gibt kein Gewinnen oder Verlieren, kein „Richtig“ oder „Falsch“. Wenn man mit Pinsel und Farbe arbeitet, schaltet der analytische Verstand ab, und der intuitive Raum öffnet sich. Das bricht Hierarchien auf eine sehr sanfte und natürliche Weise auf, weil plötzlich alle, vom Azubi bis zur Geschäftsführung, vor derselben weißen Leinwand stehen und bei null anfangen.

Was rätst du Unternehmen, die ein Team-Event planen und dabei mehr wollen als ein gemeinsames Abendessen?

Monika Schiwy: Traut euch, den Rahmen zu öffnen und den Kopf auszuschalten! Ein gemeinsames Abendessen ist nett, aber nach ein paar Wochen ist es vergessen. Ein kreatives Event bleibt im Körper und im Gedächtnis, weil es alle Sinne anspricht.

Mein Rat: Gebt dem Team die Erlaubnis, den Kontrollverlust zu genießen. Plant ein Event, bei dem es nicht darum geht, ein „Produkt“ abzuliefern, sondern darum, den Prozess zu feiern. Wenn Unternehmen Räume schaffen, in denen ihre Mitarbeitenden spielerisch Neues ausprobieren dürfen, ohne Angst vor Bewertung, stärkt das nicht nur das Teamgefühl enorm. Es setzt auch unheimlich viel kreative Energie und Lebensfreude frei, die direkt ins Unternehmen zurückfließt.

Wenn aus Fehlern Farbe wird

Monika Schiwy zeigt im Interview, warum kreatives Teambuilding mehr leisten kann als ein Ausflug oder ein gemeinsames Essen. Vor der Leinwand fallen die gewohnten Rollen weg, und es wird sichtbar, wie ein Team tatsächlich zusammenarbeitet: wer plant, wer einfach loslegt und wer im Hintergrund die Fäden zieht. Für Führungskräfte ist das ein ehrlicher Blick auf die eigene Mannschaft, ganz ohne Fragebogen.

Besonders wertvoll ist ihr Gedanke zur Fehlerkultur. Wer erlebt hat, dass aus einem missglückten Pinselstrich etwas Neues entstehen kann, geht gelassener mit Pannen im Arbeitsalltag um. Welche Formen der Teambildung es grundsätzlich gibt, beschreibt der Überblick bei Wikipedia. Wie Betriebe systematisch aus Fehlern lernen, zeigt unser Beitrag zur Fehlerkultur im Unternehmen. Warum Teams nur offen über Fehler sprechen, wenn sie sich sicher fühlen, erklärt unser Artikel zur psychologischen Sicherheit im Team.

Über Monika Schiwy

Monika Schiwy ist Künstlerin und arbeitet in ihrem Atelier ART & Weise in Münster. Neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit bietet sie Malworkshops und Team-Events für Unternehmen an, bei denen Menschen ohne Vorkenntnisse gemeinsam malen.

Häufige Fragen zu kreativem Teambuilding

Was ist kreatives Teambuilding?

Kreatives Teambuilding sind Team-Events, bei denen Mitarbeitende gemeinsam gestalterisch arbeiten, zum Beispiel in einem Malworkshop. Anders als bei Wettbewerben oder Rätseln gibt es kein Gewinnen und kein Verlieren, sondern nur den gemeinsamen Prozess.

Braucht man für einen Malworkshop mit dem Team Vorkenntnisse?

Nein. Viele Teilnehmende sagen vorher, dass sie überhaupt nicht malen können. Gerade das macht den Reiz aus: Alle starten bei null, und nach anfänglichem Zögern entsteht schnell eine gelöste Stimmung.

Was bringt ein Malworkshop für die Fehlerkultur im Team?

Wer erlebt, dass aus einem danebengegangenen Pinselstrich etwas Neues entstehen kann, sieht Fehler eher als Ausgangspunkt denn als Scheitern. Diese Haltung nehmen viele Teams mit in den Umgang mit unvorhergesehenen Problemen im Job.

Für welche Teams eignet sich ein kreativer Workshop?

Für alle Ebenen. Weil vor der Leinwand alle gleich anfangen, vom Azubi bis zur Geschäftsführung, treten Hierarchien in den Hintergrund. Das macht das Format besonders für Teams interessant, die sich jenseits ihrer gewohnten Rollen kennenlernen sollen.