Firmenfitness als Bindungsinstrument: Wie Pilates Rücken und Team stärkt

Firmenfitness als Bindungsinstrument: Wie Pilates Rücken und Team stärkt

Firmenfitness als Bindungsinstrument gewinnt an Bedeutung, seit immer mehr Unternehmen merken, wie sehr Nacken, Schultern und Rücken der Belegschaft unter stundenlangem Sitzen leiden. Für Petra Meyer, Physiotherapeutin und Pilates-Trainerin von der Körperwerkstatt am See in Rhauderfehn, sind diese Beschwerden im Berufsalltag von Führungskräften und Mitarbeitenden fast schon die Regel. Im Gespräch erklärt sie, welche Warnsignale häufig übersehen werden, warum ein einzelnes Sportprogramm pro Woche selten ausreicht, und warum sie Pilates als Firmenfitness ausdrücklich als Bindungsinstrument versteht, nicht nur als Gesundheitsmaßnahme.

Nacken, Rücken, Hüfte: Die typischen Beschwerden im Führungsalltag

„Aus physiotherapeutischer Sicht sehe ich häufig Beschwerden im Nacken-, Schulter- und Rückenbereich, aber auch eine eingeschränkte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule und Hüfte“, beschreibt Petra Meyer ihre Beobachtungen aus der Praxis. Viel Sitzen, wenig Positionswechsel und gleichzeitig hoher Stress seien eine ungünstige Kombination. Genau hier lasse sich Pilates gut einsetzen: „Wir arbeiten an Rumpfstabilität durch die tiefe Muskulatur, an Beweglichkeit, Körperwahrnehmung und kontrollierter Bewegung.“ Ihr gehe es dabei nicht darum, einen schmerzenden Rücken kurzfristig zu behandeln, sondern den Körper wieder belastbarer für den Arbeitsalltag zu machen.

Warnsignale, die im Kalender untergehen

Viele frühe Warnsignale wirken für sich genommen banal und werden deshalb übersehen, sagt Meyer: ein Nacken, der sich ständig fest anfühlt, ein Rücken, der nach dem Aufstehen erst Zeit braucht, hochgezogene Schultern oder eine körperliche Erschöpfung am Ende des Tages, obwohl man sich kaum bewegt hat. In ihren Pilates-Einheiten hält sie deshalb besonders die Körperwahrnehmung für wichtig. „Viele merken erst während der Übungen, wie unbeweglich bestimmte Bereiche geworden sind, oder wie schwer es ihnen fällt, Spannung gezielt aufzubauen und wieder loszulassen.“ Pilates könne so dabei helfen, den eigenen Körper wieder bewusster wahrzunehmen, Warnsignale früher ernst zu nehmen und durch regelmäßiges Training zeitnah gegenzusteuern.

Wenn der Körper zur Nebensache wird

Beschwerden bleiben selten folgenlos für die berufliche Leistungsfähigkeit. „Wer Schmerzen hat, schläft möglicherweise schlechter, bewegt sich weniger und muss einen Teil seiner Aufmerksamkeit ständig auf die Beschwerden richten. Das kann auf Dauer Konzentration und Belastbarkeit beeinträchtigen“, so Meyer. Sie sieht körperliche Fitness deshalb ausdrücklich als Teil der beruflichen Leistungsfähigkeit. Pilates verbinde Bewegung mit Konzentration, Atmung und kontrollierter Ausführung. „Man nimmt sich für einen Moment aus dem beruflichen Dauerdenken heraus und richtet die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper.“ Gerade für Menschen, die beruflich ständig Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen, könne das ein wertvoller Ausgleich sein.

Bewegung, die auch in einen vollen Arbeitstag passt

Ihren Teilnehmenden sagt Meyer immer, dass es nicht jedes Mal eine komplette Sporteinheit sein müsse. Schon zwischendurch ließen sich kleine Elemente aus dem Pilates einbauen: bewusst aufrichten, die Wirbelsäule mobilisieren, Schultern bewegen, die Hüfte strecken oder einige bewusste Atemzüge mit Bewegung verbinden. Dazu könne dann beispielsweise ein fester Pilates-Termin pro Woche im Unternehmen kommen. Der Vorteil von Firmenfitness als Bindungsinstrument zeigt sich gerade hier: Die Mitarbeitenden müssen nicht erst irgendwohin fahren, das Training kommt zu ihnen und wird Teil des Arbeitsalltags. Ein praktischer Nebeneffekt, den viele Unternehmen laut Meyer noch nicht auf dem Schirm haben: Ist der Kurs zertifiziert, lässt sich Firmenfitness steuerlich absetzen.

Sport ist wichtig, aber wir sollten uns den ganzen Tag anschauen. Eine einzelne Trainingseinheit pro Woche kann die gesamte fehlende Alltagsbewegung nicht ersetzen.

Warum ein- oder zweimal Sport pro Woche häufig nicht reicht

Wer morgens ins Auto steigt, acht oder zehn Stunden überwiegend sitzt, wieder nach Hause fährt und den Abend sitzend verbringt, kann diese fehlende Alltagsbewegung nach Meyers Erfahrung mit einer einzelnen Trainingseinheit kaum ausgleichen. Sie kombiniert deshalb regelmäßige Alltagsbewegung mit gezieltem Training. Pilates eigne sich dafür gut, weil dabei nicht nur einzelne Muskeln trainiert würden, sondern Stabilität, Mobilität, Koordination, Atmung und Körperkontrolle miteinander verbunden werden, wobei der Rumpfmuskulatur eine besonders wichtige Rolle zukomme.

Firmenfitness als Bindungsinstrument: Was Unternehmen konkret tun können

Betriebliche Gesundheitsförderung müsse nicht bedeuten, dass jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter nach Feierabend ins Fitnessstudio geht, sagt Meyer. Unternehmen könnten Bewegung deutlich einfacher in den Arbeitsalltag bringen, als viele denken. Genau deshalb versteht sie Firmenfitness als Bindungsinstrument: Eine Gruppe trainiert gemeinsam direkt im Unternehmen oder in einem passenden Kursformat, wodurch die organisatorische Hürde sinkt. Als Physiotherapeutin und Pilates-Trainerin wählt und passt sie Übungen an, die zu typischen Belastungen am Arbeitsplatz passen, etwa viel Sitzen, Bildschirmarbeit oder einseitige körperliche Tätigkeiten. Bei Bedarf schaut sie sich zusätzlich den Arbeitsplatz selbst an und gibt Hinweise zur Anpassung, etwa durch geeignete Hilfsmittel. Einen weiteren Effekt sieht sie im Team: Wenn Mitarbeitende gemeinsam etwas für ihre Gesundheit tun, stärkt das häufig auch das Miteinander, was wiederum erklärt, warum sie Firmenfitness als Bindungsinstrument und nicht nur als Gesundheitsangebot betrachtet.

Drei erste Schritte für Geschäftsführer mit wenig Zeit

Auf die Frage, was sie Geschäftsführerinnen und Geschäftsführern mit wenig Zeit raten würde, hält Meyer es bewusst einfach. Erstens: die eigene körperliche Belastung und den Arbeitsplatz ehrlich anschauen. Wie viel sitze ich? Wo treten Beschwerden auf? Wo fehlt es an Beweglichkeit oder Kraft? Zweitens: Bewegung verbindlich einplanen, nicht nach dem Motto „wenn ich Zeit habe“, sondern wie einen festen Termin im Kalender, ergänzt um kleine Bewegungspausen im Arbeitstag. Drittens: eine Trainingsform wählen, die realistisch dauerhaft funktioniert. „Genau hier kann Pilates sinnvoll sein, weil wir in relativ kurzer Zeit sehr gezielt an Kraft, Beweglichkeit, Stabilität und Körperwahrnehmung arbeiten können“, sagt sie.

Meyer betreut bereits mehrere Unternehmen im Bereich Firmenfitness. Sie kommt entweder direkt ins Unternehmen und führt dort gezielte Pilates- und Bewegungseinheiten durch, oder Mitarbeitende nutzen ihre Kurse vor Ort, etwa Pilates auf der Matte oder Training im Reformer-Studio. Viele Angebote lassen sich zudem über das Firmenfitness-Netzwerk Hansefit nutzen. So können Unternehmen ihren Mitarbeitenden verschiedene Zugänge bieten, sodass jede und jeder die Form von Bewegung wählen kann, die am besten in den eigenen Alltag passt, und Firmenfitness als Bindungsinstrument seine volle Wirkung entfaltet.

Zur Person

Petra Meyer ist Physiotherapeutin und Pilates-Trainerin und betreibt die Körperwerkstatt am See in der Zeisigstraße 26 in 26817 Rhauderfehn. Neben ihrer physiotherapeutischen Praxis bietet sie Firmenfitness mit Pilates an, entweder direkt im Unternehmen oder in ihrem Studio vor Ort, unter anderem auch über Hansefit. Kontakt: Telefon 04952 890 5552.

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