Unternehmensziele sichtbar machen: 3 einfache Fragen

Visionboards – „Hier geht es nicht darum, wer am schönsten malen oder zeichnen kann.“

Unternehmensziele sichtbar machen klingt nach einer Selbstverständlichkeit, scheitert im Alltag aber erstaunlich oft: Strategietage enden mit Applaus und einem guten Gefühl, und wenige Wochen später liegen die Ergebnisse als Präsentation oder Protokoll in der Schublade. Die Künstlerin und Gestalterin Maja Schnack begleitet Unternehmen dabei, aus bereits formulierten Zielen sichtbare Werke zu machen, die im Arbeitsalltag präsent bleiben, von Visionboard-Workshops über gemeinsam gestaltete Werke bis hin zu Leinwänden und Wandgestaltungen.

Im Interview erklärt sie, warum gemeinsam beschlossene Ziele so leicht verschwinden, was mit Teams passiert, sobald Ziele zu Bildern werden müssen, und welche drei Fragen sich Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer stellen sollten, bevor sie den nächsten Strategieprozess starten.

Warum Ziele in der Schublade scheitern

Strategien und Ziele entstehen laut Maja Schnack meist mit viel Herzblut. Die Teilnehmenden verlassen den Workshop motiviert, mit dem Gefühl, jetzt genau zu wissen, wohin die Reise geht. Doch dann kehrt der Alltag zurück: Termine, Projekte und das Tagesgeschäft rücken in den Vordergrund, und die gemeinsam erarbeiteten Ziele landen irgendwann in einer Präsentation, einem Protokoll oder eben sprichwörtlich in der Schublade.

Zur Einordnung, unabhängig von den Aussagen im Interview: Der Gallup Engagement Index Deutschland 2025 zeigt, dass nur 10 Prozent der Beschäftigten in Deutschland eine hohe emotionale Bindung an ihr Unternehmen haben, 77 Prozent eine geringe.

„Ich bin Künstlerin und denke in Bildern. Vielleicht fällt mir deshalb immer wieder auf, wie stark das wirkt, was wir täglich sehen. Ein Bild begleitet uns viel länger als eine Präsentation oder ein Dokument auf dem Server.“

Genau an diesem Punkt setzt sie an: Sie verbindet ihre künstlerische Arbeitsweise mit kaufmännischem Wissen und Marketingerfahrung. Es geht dabei nicht nur darum, etwas Schönes zu gestalten, sondern Ziele so sichtbar zu machen, dass sie im Arbeitsalltag immer wieder präsent sind und Mitarbeitende täglich daran erinnern, worauf sie gemeinsam hinarbeiten.

Vom Papier zum Bild: Was sich im Team verändert

Anders als viele Formate setzt Maja Schnack bewusst nicht bei der Entwicklung der Ziele an, sondern erst danach. Ein Ziel steht auf dem Papier, alle nicken. Doch sobald die Frage kommt, wie dieses Ziel eigentlich aussieht, reicht ein Stichwort oder Symbol plötzlich nicht mehr aus. Es entstehen Gespräche, die vorher nie geführt wurden: Was bedeutet das Ziel für jeden Einzelnen? Woran erkennt das Team später, dass es erreicht wurde? Welche Werte stecken eigentlich dahinter?

„Nach außen wirkt es oft so, als wären sich alle einig. Sobald wir aber beginnen, Gedanken in Bilder zu übersetzen, wird deutlich, dass jeder zunächst seine eigene Vorstellung im Kopf hat.“

In einem Workshop erlebte sie etwa, wie ein einziges Symbol für die Teilnehmenden ganz unterschiedliche Bedeutungen hatte. Erst der Austausch machte allen bewusst, dass jeder etwas anderes mit demselben Begriff verband. Für Maja Schnack liegt genau darin der größte Wert des Prozesses: Nicht das fertige Bild ist entscheidend, sondern der gemeinsame Weg dorthin, der sich auch später noch weiterentwickeln darf.

Mehr als eine hübsche Collage an der Wand

Visionboards werden schnell mit privaten Wunschbildern oder ausgeschnittenen Zeitschriftenbildern verbunden. Im Unternehmenskontext arbeitet Maja Schnack bewusst anders: Grundlage sind bereits definierte Unternehmensziele, Werte oder Strategien. Gemeinsam mit den Teilnehmenden überlegt sie, wie sich diese Inhalte sichtbar machen lassen, in einzelnen Collagen oder in einem gemeinsamen Werk, je nach Wunsch des Unternehmens.

Vielen nimmt sie zunächst die Scheu vor dem weißen Blatt: Sie bringt Beispiele mit, stellt Fragen und gibt Orientierung, auf Wunsch auch über einen individuellen Vorlagenguide. Farben, Formen und Symbole transportieren dabei Botschaften und lösen Emotionen aus, sie schaffen Identifikation und bleiben im Gedächtnis. Aus dem Prozess kann später eine großformatige Leinwand oder eine individuell gestaltete Wand im Besprechungsraum oder Eingangsbereich entstehen, die die gemeinsam erarbeiteten Werte dauerhaft sichtbar hält und Teil der Unternehmenskultur wird.

Kein Kunstunterricht: Wie auch Skeptiker mitmachen

Nicht jeder hat Freude am Malen oder an kreativen Workshops. Deshalb macht Maja Schnack von Anfang an klar, worum es nicht geht.

„Hier geht es nicht darum, wer am schönsten malen oder zeichnen kann.“

Es geht darum, Gedanken sichtbar zu machen, nicht um Kunstunterricht. Jeder bringt dabei eigene Stärken ein: Die einen finden die passenden Worte, andere denken strukturiert, wieder andere stellen genau die Fragen, auf die vorher niemand gekommen ist. Gerade Menschen, die anfangs sagen, sie seien überhaupt nicht kreativ, sind am Ende laut Maja Schnack oft besonders stolz auf das Ergebnis. Kreativität bedeutet für sie nicht, gut zeichnen zu können, sondern neue Blickwinkel zu entdecken und aus vielen Gedanken etwas entstehen zu lassen, das verbindet und motiviert.

Unternehmensziele sichtbar machen: Die 3 Fragen für Geschäftsführer

Wenn Ziele zwar formuliert sind, im täglichen Handeln der Mitarbeitenden aber kaum eine Rolle spielen, rät Maja Schnack nicht sofort zu einem neuen Strategieprozess. Vorher lohnen sich aus ihrer Sicht drei einfache Fragen:

  1. Sind die Ziele überhaupt sichtbar? Oder liegen sie irgendwo in der Schublade und werden nur einmal im Jahr beim Strategietag hervorgeholt?
  2. Verstehen wirklich alle dasselbe darunter? Oft glauben Teams, dass Einigkeit besteht. Erst wenn Menschen ihre Vorstellungen beschreiben oder bildlich darstellen, zeigt sich, dass jeder zunächst sein eigenes Bild im Kopf hat.
  3. Begegnen die Ziele den Mitarbeitenden im Arbeitsalltag überhaupt noch? Tauchen sie in Besprechungen auf, fließen sie in Entscheidungen ein, oder geraten sie nach kurzer Zeit wieder in den Hintergrund?

Oft waren die Ziele längst formuliert, es fehlte lediglich etwas, das sie im Alltag lebendig hält. Für Maja Schnack ist das am Ende auch eine Frage der Haltung, nicht nur der Methode, ein Gedanke, der sich auch im Beitrag Haltung statt Methode wiederfindet. Mit Bildern und Gestaltung lassen sich Werte und Visionen sichtbar machen: Sie erinnern nicht nur an das, was einmal beschlossen wurde, sondern schaffen Identifikation und machen aus einer Strategie etwas, das Menschen jeden Tag begleitet.

Über Maja Schnack

Maja Schnack ist Künstlerin und Gestalterin und verbindet mit „für Dich Gestaltung“ ihre künstlerische Arbeitsweise mit kaufmännischem und Marketingwissen. Sie begleitet Unternehmen mit Visionboard-Workshops dabei, Werte und Ziele sichtbar zu machen, von der individuellen Collage bis zur großformatigen Leinwand oder Wandgestaltung für Besprechungsraum und Eingangsbereich. Ihr Unternehmen „für Dich Gestaltung“ hat seinen Sitz in Neu Wulmstorf bei Hamburg.

FAQ

Was ist ein Unternehmens-Visionboard?

Ein Unternehmens-Visionboard macht bereits beschlossene Ziele, Werte und Strategien sichtbar, etwa als Collage, großformatige Leinwand oder Wandgestaltung. Anders als private Wunschbilder baut es auf bereits definierten Unternehmensinhalten auf, die das Team gemeinsam visualisiert.

Warum verschwinden Unternehmensziele oft wieder aus dem Arbeitsalltag?

Weil sie meist nur als Text in Präsentationen oder Protokollen existieren. Ohne sichtbare Erinnerung im Alltag geraten sie schnell in den Hintergrund, obwohl sie ursprünglich mit viel Engagement erarbeitet wurden.

Eignen sich Visionboard-Workshops auch für eher analytische oder skeptische Teams?

Ja. Laut Maja Schnack geht es nicht um zeichnerisches Talent, sondern darum, Gedanken sichtbar zu machen. Jeder bringt eigene Stärken ein, von präzisen Fragen bis zu strukturiertem Denken, und gerade skeptische Teilnehmende sind am Ende oft besonders stolz auf das Ergebnis.

Welche drei Fragen sollten Geschäftsführer vor einem neuen Strategieprozess stellen?

Sind die Ziele überhaupt sichtbar? Verstehen wirklich alle dasselbe darunter? Und begegnen die Ziele den Mitarbeitenden im Arbeitsalltag noch, etwa in Besprechungen und Entscheidungen? Bevor ein neuer Strategieprozess gestartet wird, lohnt es sich laut Maja Schnack, zunächst zu prüfen, ob die bestehenden Ziele überhaupt sichtbar, verständlich und im Arbeitsalltag präsent sind.