Wenn der Chef nicht mehr zeigen muss, wo’s langgeht: Interview mit Pancho Komischke

Ein E-Mountainbike-Teamevent klingt zunächst nach Freizeitspaß, entfaltet nach Erfahrung von Ralf „Pancho“ Komischke jedoch eine überraschend direkte Wirkung auf Teamdynamik und Führungsverhalten. Komischke verbindet als Sporttrainer, E-Mountainbike-Guide und Jongleur Bewegung, mentale Stärke und Teambuilding zu einem Format, das er sowohl als klassischen Firmenausflug als auch als Feierabendtour für Führungskräfte anbietet. Im Interview erzählt er, wie er selbst dazu kam, warum gerade Chefs und leitende Angestellte von der Rolle als einfacher Teilnehmer profitieren, welche Rolle mentale Stärke beim Fahren durch unbekanntes Terrain spielt und worauf Unternehmen bei der Planung eines solchen Events unbedingt achten sollten.

Über den Interviewpartner

Ralf „Pancho“ Komischke ist Sporttrainer, E-Mountainbike-Guide und Jongleur. Über ein Netzwerktreffen begann er, seine beiden Leidenschaften Mountainbiken und Jonglieren aktiv als Firmenevent anzubieten, aufbauend auf seiner langjährigen Erfahrung als Sporttrainer. Sein Angebot reicht von geführten E-Mountainbike-Touren für Betriebsausflüge über Feierabendtouren speziell für Führungskräfte bis hin zu Jonglier-Einheiten als Auflockerung bei Firmenevents.

Das Interview

Wie bist du dazu gekommen, deine Leidenschaften Mountainbiken und Jonglieren zum Beruf zu machen?

Pancho Komischke: Mountainbiken beziehungsweise E-Mountainbiken und Jonglieren sind gesund, machen irre viel Spaß und eignen sich hervorragend als Firmenevent. Den Anstoß gab mir ein Netzwerktreffen bei BNI, dort habe ich begonnen, meine Hobbys aktiv anzubieten. Als Sporttrainer zu arbeiten, war für mich davor schon immer eine Herzensangelegenheit.

Was unterscheidet eine geführte E-MTB-Tour von einem klassischen Betriebsausflug?

Pancho Komischke: Bei einer geführten E-Mountainbike-Tour sind die Teilnehmenden ziemlich gleich schnell unterwegs und meistern gemeinsam unerwartete Hindernisse, sowohl beim klassischen Teamausflug als auch bei unserer Feierabendtour. Gerade für Chefs und leitende Angestellte ist die Feierabendtour besonders wertvoll: Sie müssen nur noch darauf achten, selbst dranzubleiben, statt wie im Alltag ständig zu zeigen, zu zerren und zu schieben, um den Laden am Laufen zu halten.

Wie können gemeinsame Herausforderungen auf dem Mountainbike den Teamgeist und die Kommunikation unter Kollegen stärken?

Pancho Komischke: Ich entführe die Gruppe bewusst in unbekannte, scheinbar gefährliche Gebiete. In diesem Moment halten plötzlich alle zusammen, mit einem gemeinsamen Ziel: gemeinsam wieder sicher daheim anzukommen.

Für welche Unternehmen und Gruppen eignen sich deine Touren, und müssen die Teilnehmer bereits sportliche Erfahrung mitbringen?

Pancho Komischke: Die Teilnehmenden müssen Fahrrad fahren können und in der Lage sein, eine Stunde zu wandern. Mehr an sportlicher Vorerfahrung braucht es grundsätzlich nicht.

Welche typischen Fehler beobachtest du bei E-Mountainbike-Fahrern, und warum ist ein Fahrtechniktraining auch für erfahrene Radfahrer sinnvoll?

Pancho Komischke: Jeder Mensch hat seine eigenen Gewohnheiten und damit auch seine eigenen Fähigkeiten und Defizite. Auf diese Frage antworte ich gerne mit zwei Gegenfragen: Warst du schon einmal in einem Skikurs oder einem Kettensägenkurs? Und warst du danach besser? Genau das ist der Punkt: Erfahrung allein macht noch keine saubere Technik, dafür braucht es gezieltes Training, unabhängig davon, wie lange jemand schon Rad fährt.

Welche Rolle spielen mentale Stärke, Konzentration und der richtige Umgang mit Unsicherheit beim Mountainbiken?

Pancho Komischke: Eine enorme Rolle. Wer eine Strecke schon einmal gemeistert hat, kann sie auch mit geringerer körperlicher Fitness bewältigen, weil er weiß, dass es geht. Und man lernt, seinem Werkzeug, dem eigenen Körper und dem eigenen Können zu vertrauen. Genau dieses Zutrauen lässt sich eins zu eins auf schwierige Situationen im Berufsalltag übertragen.

Was sollten Unternehmen bei der Planung eines E-MTB-Teamevents beachten, damit sich alle Teilnehmer sicher und gut eingebunden fühlen?

Pancho Komischke: Das ist tatsächlich die schwierigste Frage. Ich hatte schon Teilnehmende dabei, die gar nicht richtig Fahrrad fahren konnten. Dabei kam es zu Stürzen, weil sich die einen um diese Teilnehmenden gekümmert haben, während andere unbedingt mit den attraktiven Bikes Gas geben wollten. Deshalb bekommen alle Teilnehmenden vorab einen Haftungsausschluss zugeschickt, inklusive Tipps für die Tour: feste Schuhe und ein Helm sind Pflicht. Wer sich unsicher fühlt, kann vorab anrufen oder sogar eine Stunde früher kommen, um sich schon einmal an das Bike zu gewöhnen. Manchmal sind Teilnehmende so angespannt, dass sie sich durch die eigene Körperhaltung die Blutzirkulation abschnüren und umkippen. Das erkenne ich aber meistens rechtzeitig.

Ablauf einer Tour: von der Anmeldung bis zur Rückkehr

Bevor eine Gruppe überhaupt aufs Rad steigt, beginnt der eigentliche Sicherheitsprozess bereits am Schreibtisch. Unternehmen melden sich mit der geplanten Gruppengröße und einer groben Einschätzung des Leistungsniveaus, woraufhin Komischke eine passende Streckenlänge und einen entsprechenden Schwierigkeitsgrad vorschlägt. Alle angemeldeten Teilnehmenden erhalten vorab schriftliche Tourenhinweise sowie einen Haftungsausschluss, der auf die verpflichtende Ausrüstung, feste Schuhe und Helm, sowie auf grundlegende Verhaltensregeln im Gelände hinweist.

Am Tourtag selbst startet die Gruppe gemeinsam auf einem überschaubaren, wenig anspruchsvollen Streckenabschnitt, bevor es in unbekannteres Terrain geht. Wer sich unsicher fühlt, kann bereits vor dem offiziellen Start eine Stunde früher erscheinen, um sich mit dem E-Mountainbike vertraut zu machen, etwa mit Bremsverhalten, Schaltung und Unterstützungsstufe des Motors. Während der eigentlichen Tour behält Komischke die Gruppe im Blick und erkennt nach eigener Aussage meist rechtzeitig, wenn einzelne Teilnehmende überfordert oder körperlich angespannt wirken, um frühzeitig gegenzusteuern.

Warum Jonglieren als Ergänzung zum Programm passt

Neben den E-Mountainbike-Touren bietet Komischke bei Firmenveranstaltungen auch kurze Jonglier-Einheiten an, auf den ersten Blick ein ungewöhnliches Gegenstück zum sportlich anspruchsvollen Radprogramm. Der gemeinsame Nenner liegt jedoch genau in dem Prinzip, das auch seine Touren prägt: Teilnehmende verlassen bewusst ihre Komfortzone, scheitern zunächst sichtbar vor der Gruppe, und erleben gemeinsam kleine Fortschritte. Anders als beim Mountainbiken ist beim Jonglieren dabei praktisch keine sportliche Vorerfahrung nötig, wodurch sich das Format besonders für gemischte Gruppen eignet, in denen nicht alle Teilnehmenden für eine anspruchsvolle Radtour infrage kommen.

Zentrale Erkenntnisse aus dem Interview

  • Rollentausch entlastet Führungskräfte: Bei der Feierabendtour muss der Chef nur noch für sich selbst dranbleiben, statt wie im Alltag ständig zu koordinieren und einzugreifen.
  • Unbekanntes Terrain schweißt zusammen: Ein gemeinsames, scheinbar gefährliches Ziel erzeugt automatisch Zusammenhalt in der Gruppe.
  • Sportliche Vorerfahrung ist zweitrangig: Grundvoraussetzung sind Radfahren-Können und die Kondition für eine Stunde Gehen, mehr nicht.
  • Technik schlägt reine Erfahrung: Gezieltes Fahrtechniktraining verbessert die Sicherheit unabhängig davon, wie lange jemand schon fährt.
  • Sicherheit entsteht durch Vorbereitung: Haftungsausschluss, klare Ausrüstungsvorgaben und die Möglichkeit zum vorherigen Eingewöhnen reduzieren das Sturzrisiko bei gemischten Gruppen deutlich.

„Ich entführe die Gruppe bewusst in unbekannte, scheinbar gefährliche Gebiete. Dann halten plötzlich alle zusammen, mit einem gemeinsamen Ziel: sicher wieder daheim anzukommen.“ (Pancho Komischke)

Kontext: Aktive Teamevents als Alternative zum klassischen Betriebsausflug

Klassische Betriebsausflüge, ob Grillfeier, Bowlingabend oder Stadtführung, erzeugen selten die Art von Zusammenhalt, die Unternehmen sich davon erhoffen, weil die gewohnten Rollen im Team meist erhalten bleiben. Formate wie das von Komischke beschriebene E-Mountainbike-Teamevent setzen bewusst auf eine Situation, in der gewohnte Hierarchien vorübergehend keine Rolle mehr spielen, weil alle Teilnehmenden mit derselben Unsicherheit im unbekannten Gelände konfrontiert sind. Für Führungskräfte, die im Alltag ohnehin schon Verantwortung für andere tragen, kann bereits die einfache Erfahrung, für eine Tour ausschließlich auf sich selbst achten zu müssen, eine spürbare Entlastung darstellen.

Auch die von Komischke angesprochene mentale Komponente, das Vertrauen in eigenes Können und die eigene körperliche Verfassung, lässt sich auf klassische Führungsthemen übertragen: Wer lernt, eine unbekannte, zunächst bedrohlich wirkende Strecke zu meistern, überträgt dieses Zutrauen häufig unbewusst auch auf schwierige Situationen im Berufsalltag.

Interessant ist dabei die Doppelfunktion, die solche Formate im Vergleich zu klassischen Teambuilding-Workshops übernehmen: Sie wirken einerseits nach außen als Firmenevent mit Erlebnischarakter, andererseits nach innen als eine Art praktisches Führungstraining, ohne dass dieses explizit als solches angekündigt werden muss. Gerade weil die Situation im Gelände real ist und nicht in einem Seminarraum simuliert wird, entsteht nach Komischkes Beobachtung eine Ernsthaftigkeit im Umgang miteinander, die sich in klassischen Workshop-Formaten selten in vergleichbarer Form einstellt.

Was Unternehmen aus dem Interview mitnehmen sollten

Wer ein aktives Teamevent wie eine E-Mountainbike-Tour plant, sollte nach Komischkes Erfahrung vor allem auf drei Punkte achten. Erstens: Das Leistungsniveau der Gruppe vorab realistisch einschätzen und kommunizieren, damit sich weder unsichere noch sehr erfahrene Teilnehmende über- oder unterfordert fühlen. Zweitens: Klare organisatorische Rahmenbedingungen wie Haftungsausschluss, Ausrüstungspflicht und die Möglichkeit zum vorherigen Eingewöhnen konsequent nutzen, statt sie als bloße Formalie zu behandeln. Drittens: Den bewussten Rollentausch als eigentlichen Mehrwert des Formats verstehen, nicht nur als sportliche Zusatzaktivität, gerade für Führungskräfte, die im Alltag selten die Gelegenheit haben, einfach nur Teilnehmende zu sein.

Ein vierter, oft übersehener Punkt betrifft die Nachbereitung. Komischkes Schilderung, wie er Anspannung und drohende Stürze meist rechtzeitig erkennt, zeigt, dass ein solches Event von einer erfahrenen Begleitung lebt, die sowohl die sportliche als auch die zwischenmenschliche Dynamik der Gruppe im Blick behält. Unternehmen, die ein vergleichbares Format erstmals buchen, sollten deshalb weniger auf die reine Streckenlänge oder Schwierigkeit achten, sondern gezielt nachfragen, wie die anbietende Person mit unterschiedlichen Leistungsniveaus innerhalb derselben Gruppe umgeht, gerade wenn Führungskräfte und Mitarbeitende gemeinsam an derselben Tour teilnehmen.

Über das Angebot von Pancho Komischke

Ralf „Pancho“ Komischke bietet geführte E-Mountainbike-Touren für Firmenevents und Betriebsausflüge sowie spezielle Feierabendtouren für Führungskräfte und leitende Angestellte an. Ergänzt wird das Angebot durch Jonglier-Einheiten als Auflockerung bei Firmenveranstaltungen. Alle Teilnehmenden erhalten vorab einen Haftungsausschluss mit Tourenhinweisen; feste Schuhe und ein Helm sind verpflichtend. Wer sich unsicher fühlt, kann vor der eigentlichen Tour Kontakt aufnehmen oder sich vorab mit dem Bike vertraut machen.

Das Format richtet sich sowohl an einzelne Abteilungen als auch an ganze Belegschaften und lässt sich je nach gewünschtem Schwerpunkt unterschiedlich ausrichten: als klassischer, eher geselliger Betriebsausflug, als gezielt anspruchsvollere Feierabendtour für die Führungsebene, oder als Kombination aus kurzer Radeinheit und anschließender Jonglier-Session, wenn eine Gruppe sportlich nicht einheitlich aufgestellt ist.

FAQ

Braucht man für ein E-Mountainbike-Teamevent bereits Fahrerfahrung?

Nein, notwendig sind lediglich die Fähigkeit, Fahrrad zu fahren, und die Kondition für eine Stunde Gehen. Weitergehende sportliche Vorerfahrung ist nicht erforderlich.

Warum eignet sich eine Feierabendtour besonders für Führungskräfte?

Weil sie während der Tour nur für sich selbst verantwortlich sind und nicht wie im Berufsalltag ständig koordinieren, motivieren oder eingreifen müssen.

Wie wird die Sicherheit bei gemischten Leistungsgruppen gewährleistet?

Über einen vorab verschickten Haftungsausschluss mit Tourenhinweisen, verpflichtende Ausrüstung wie feste Schuhe und Helm sowie die Möglichkeit, sich vor der Tour mit dem Bike vertraut zu machen.

Welche Rolle spielt mentales Training bei den Touren?

Eine zentrale Rolle: Vertrauen in das eigene Können und den eigenen Körper hilft, unbekanntes Terrain zu meistern, ein Effekt, der sich auch auf berufliche Herausforderungen übertragen lässt.

Was sollten Unternehmen bei der Planung beachten?

Das Leistungsniveau der Gruppe realistisch einschätzen, organisatorische Sicherheitsmaßnahmen konsequent nutzen und den Rollentausch als eigentlichen Mehrwert des Formats begreifen.

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