Workation im Unternehmen klingt für viele Führungskräfte nach einem hübschen Buzzword für Homeoffice mit Strandkulisse. Janine Mehner kennt den Unterschied aus erster Hand: Die freiberufliche Moderatorin und Journalistin lebt und arbeitet seit Jahren im eigenen Campervan, reist quer durch Deutschland und Europa zu ihren Bühnenauftritten und verbindet Berufsalltag und echte Workation so selbstverständlich wie andere den Weg ins Büro. Im Gespräch erzählt sie, was sie zu diesem Lebensstil gebracht hat, welchen Denkfehler Unternehmen beim Thema New Work am häufigsten machen und warum am Ende meist mehr Mut zum Ausprobieren hilft als jede Grundsatzdiskussion.
Janine Mehner ist freiberufliche Moderatorin und Journalistin für Kongresse zu Digitalisierung, Leadership und New Work, reist dafür im eigenen Campervan durch Deutschland und Europa und ist Autorin des Buchs „Meine Workation“ sowie Host des Podcasts „Körper.Kopf.Karriere“.
Vom Kongressjob zum Roadtrip: Wie aus Reisen Workation wurde
Als freiberufliche Moderatorin hat Janine Mehner kein festes Büro, dafür aber ständig Termine quer durch Deutschland und Europa. Dass daraus mit der Zeit eine echte Workation-Routine wurde, beschreibt sie so:
„Ich bin nie nur zu den Jobs gereist, sondern hab immer versucht, mir noch etwas von den Orten, wo ich Auftritte hatte, anzusehen.“
Den Ausschlag für den Umstieg auf ein eigenes Wohnmobil gab ein Job in San Diego mit anschließendem Campervantrip durch Kalifornien. Direkt danach landete sie in einem kalten, nassen Hamburger Februar und dachte zunächst, die nächste Reise sei erst wieder im Sommer möglich. Der zweite Gedanke kam prompt hinterher.
„Nein, JETZT!“
Sie recherchierte innerhalb kurzer Zeit passende Wohnmobile und setzte die Idee in die Tat um. Seitdem nutzt sie Anreisen zu Jobs, etwa von Norddeutschland nach Stuttgart, häufig dafür, im Anschluss zu verlängern und weiter nach Frankreich oder Italien zu fahren, denn ihre Moderationen kann sie im mobilen Büro von überall aus vorbereiten.
Der häufigste Denkfehler beim Thema Workation im Unternehmen
Wenn es um Workation im Unternehmen geht, sieht Janine Mehner aus ihren Kongressbeobachtungen einen wiederkehrenden Fehler auf Führungsebene:
„Ich glaube, viele Unternehmen vertrauen ihren Mitarbeitenden leider zu wenig und denken, die arbeiten dann nicht, ähnlich wie im Homeoffice.“
Dass genau dieses Vertrauen zu mehr Produktivität und Kreativität führen kann, lassen viele Führungskräfte laut Mehner nicht zu, weil ihr Führungsstil auf Kontrolle statt auf Ergebnisse ausgerichtet ist. Ihr Rat dazu ist denkbar einfach.
„Einfach mal ausprobieren, zurückrudern kann man immer noch.“
Zwischen Campingplatz-Schranke und Strandhaus-Call: der Alltag einer Workation
Was nach Freiheit klingt, bedeutet für Janine Mehner vor jedem Job vor allem eines: Recherche. Anders als im Hotel mit 24-Stunden-Rezeption gelten auf Campingplätzen feste Check-in- und Check-out-Zeiten, meist zwischen 15 und 18 Uhr sowie 8 und 12 Uhr.
„Das kollidiert total mit meinen Arbeitszeiten, weil ich meist am Anreisetag noch zur Location fahre, wir einen Soundcheck machen und hinterher vielleicht noch Teamdinner haben.“
Ist die Einfahrt zum Campingplatz dann bereits geschlossen, oder muss sie morgens schon um 6 oder 7 Uhr an der Location sein, während die Schranke noch verschlossen ist, hilft ihr das als Fußgängerin zwar beim Ein- und Aussteigen, mit dem Campervan aber nicht weiter. Aus einem Tagesjob mit Probe werden dadurch schnell vier Tage, weil sie wegen der Öffnungszeiten zwei zusätzliche Reisetage einplant. Auf der anderen Seite ist genau diese Verbindung von Job und Freizeit für sie Gold wert.
„Ich erinnere mich zum Beispiel an Vorbereitungscalls im Strandhaus, und hinterher ging es im Meer schwimmen. Da tanzt mein Herz.“
Damit ihre Auftraggeber keinen Nachteil aus ihrer Workation haben, geht sie je nach Job zusätzlich in einen Co-Working-Space, wenn die Aufgabe es erfordert. Und auch wenn stabiles Internet für sie Grundvoraussetzung ist: Im Ausland hat das nach ihrer Erfahrung bisher immer gut funktioniert.
Was echte Workation von Homeoffice mit Meerblick unterscheidet
Für Janine Mehner ist Workation mehr als ein Laptop mit Aussicht. Es sind die bewussten kleinen Entscheidungen im Alltag: der Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit, eine Runde Langlauf am Morgen oder Joggen in der Mittagspause, Dinge, für die im gewohnten Alltag zwischen Putzen, Haushalt, Gartenarbeit und Arztterminen oft kein Raum bleibt.
Eine neue Umgebung wirkt bei ihr fast automatisch wie ein Ideengeber, und sie trifft dort häufig auf Gleichgesinnte.
„Im Urlaub bin ich viel aufgeschlossener und treffe meist auch die richtigen Leute, die mich zum nächsten Punkt führen.“
Wie ehrlich Unternehmen auf der Bühne wirklich über Wandel sprechen
Als Moderatorin von Kongressen zu Digitalisierung, Leadership und New Work erlebt Janine Mehner live, wie offen Unternehmen und Führungskräfte über Veränderung sprechen, oft ehrlicher als in offiziellen Pressemitteilungen. Die Unternehmen, die auf solchen Bühnen stehen, gehören für sie meist zu den Vorreitern im jeweiligen Feld und holen inzwischen auffällig oft auch andere, ebenso agile Unternehmen mit auf die Bühne.
„Ich habe aber auch das Gefühl, die große Zeit der Geheimnistuerei ist vorbei.“
Früher sei genau darauf geachtet worden, dass kein Wettbewerber den eigenen Messestand betritt, heute laden sich Unternehmen gegenseitig ein, wovon aus ihrer Sicht auch das Publikum profitiert. Ganz ohne Schönfärberei geht es allerdings nicht überall: Auf manchen Messen wurden ihr zufolge neueste Geräte vorgestellt, die es noch gar nicht gab oder nur als Prototyp existierten, nach außen aber verkauft, als stünden sie kurz vor der Serienproduktion.
Der Rat an Unternehmen mit Angst vor Kontrollverlust
Unternehmen, die mehr Flexibilität wagen wollen, aber Angst vor Kontrollverlust haben, rät Janine Mehner zu einer einfachen Haltung: ausprobieren statt endlos diskutieren.
„Du weißt es immer erst, wenn du es ausprobierst. Es kostet manchmal mehr Energie, stundenlang darüber zu diskutieren, als es einfach mal zu machen. Abbrechen kann man immer noch.“
Einordnung: Vertrauen statt Kontrolle als roter Faden
Durch alle Antworten von Janine Mehner zieht sich derselbe Gedanke, im Kleinen wie im Großen: Wer Workation im Unternehmen ernst meint, kommt am Thema Vertrauen nicht vorbei, egal ob bei der eigenen Reiseplanung oder beim Führungsstil ganzer Organisationen. Das deckt sich mit der Beobachtung, dass Haltung oft mehr bewirkt als jede neue Methode. Wer tiefer in Janine Mehners Perspektive einsteigen möchte, findet sie ausführlich in ihrem Buch „Meine Workation. Reisen mit Kater, Campervan und Kostüm: Von der Bühne ins Grüne“.
FAQ zu Workation im Unternehmen
Was unterscheidet eine Workation von reinem Homeoffice?
Für Janine Mehner sind es die bewussten kleinen Rituale wie Fahrrad fahren, Langlauf oder Joggen in der Mittagspause sowie der Abstand zu Alltagspflichten wie Putzen oder Arztterminen. Dazu kommen neue Impulse und Kontakte durch den Ortswechsel.
Welchen Fehler machen Unternehmen am häufigsten bei Workation im Unternehmen?
Aus Janine Mehners Erfahrung ist es mangelndes Vertrauen in die Mitarbeitenden, verbunden mit einem Führungsstil, der auf Kontrolle statt auf Ergebnisse setzt.
Wie gelingt der Einstieg in Workation, ohne Kontrollverlust zu riskieren?
Janine Mehners Rat: einfach ausprobieren statt lange darüber zu diskutieren. Zeigt sich das Modell als ungeeignet, lässt es sich jederzeit wieder zurücknehmen.
Was sind die größten organisatorischen Hürden bei einer Workation im Campervan?
Vor allem die engen Check-in- und Check-out-Zeiten von Campingplätzen, die selten zu frühen Anreise- oder Abreisezeiten für Jobs passen, sowie verlässliches Internet, wofür Janine Mehner bei Bedarf zusätzlich einen Co-Working-Space nutzt.









